MarinKäfer

Fast wären wir vorgestern spontan noch hingegangen zur Deutschland-Belgien. Den größten Lichtblick dieses eher mühsamen Testspiels kommentiert die SZ heute so:

Marin vs. van Buyten, das war ein Duell wie Mini gegen Zwanzigtonner: Der Zwanzigtonner hat mehr PS und mehr Hubraum, aber zum Wenden braucht er den Stadionparkplatz. Dem Mini-Marin reicht zum Wenden eine Telefonzelle. Und viel größer ist der Raum meistens nicht, in dem sich heutzutage Fußballspiele entscheiden.

Ein Hauch von Spanien – das schauen wir gern auch öfter an…

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Die kleine Katze

Anne Lamott erzählt in dem autobiografischen Buch „Traveling Mercies“ von ihrer Begegnung mit Gott. Nach einer zerbrochenen Beziehung entdeckte sie, dass sie schwanger war und ließ das Kind abtreiben. Es kam in den folgenden Tagen zu Komplikationen, sie fühlte sich schwach und hatte Schmerzen. In ihrem verdunkelten Hausboot spürte sie allmählich, dass sie nicht allein im Raum ist. Irgendwie war Jesus bei ihr, so nahe, als könne sie die Hand nach ihm ausstrecken.

Sie reagierte empört. Was würden ihre Freunde und Bekannten denken, wenn sie Christ werden würde? Also drehte sie sich zur Wand und sagte laut: „Lieber sterbe ich.“ Sie spürte, dass Jesus immer noch in der Ecke geduldig und liebevoll wartete. Sie schloss die Augen (es half nichts), schließlich schlief sie ein. Am nächsten Tag war er weg. Anne Lamott schob die seltsame Erfahrung auf den Blutverlust, den Alkohol und ihre Abscheu gegenüber sich selbst. Aber von da an, schreibt sie,

… hatte ich überall, wo ich hinging, das Gefühl, dass mir eine kleine Katze folgte, die wollte, dass ich mich bückte und sie aufhob, dass ich ihr die Türe öffne und sie hereinlasse. Aber ich wusste, was dann passiert: Du lässt eine Katze einmal herein, gibst ihr ein bisschen Milch, und sie bleibt für immer.

Eine Woche später ging sie in die Kirche. Entgegen ihrer Gewohnheit verließ sie den Gottesdienst nicht vor der Predigt, mit der sie dennoch nichts anfangen konnte. Dafür berührte sie das Schlusslied – als würden die Menschen zwischen den Tönen gleichzeitig lachen und weinen und als würde der Gesang sie umarmen wie ein verängstigtes Kind. Was dann folgt, beschreibt sie so:

Ich begann zu weinen und (…) rannte nach Hause und fühlte die kleine Katze mir auf den Fersen, und ich lief den Bootssteg entlang, vorbei an Dutzenden von Topfpflanzen, unter einem Himmel, der so blau war, als stammte er aus Gottes eigenen Träumen, und ich öffnete die Tür zu meinem Hausboot, und da stand ich eine Minute, dann ließ ich meinen Kopf hängen und sagte: ‚Ich gebe auf.‘ Ich atmete tief durch, dann sagte ich laut: ‚In Ordnung, du kannst reinkommen.‘ Das war mein wunderbarer Augenblick der Bekehrung.


„Traveling Mercies: Some Thoughts on Faith“ (Anne Lamott)

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Grob gerastert

George Barna mag sich auf Statistiken verstehen, theologisch gibt er einem immer wieder mal Rätsel auf. Sein Raster evangelikaler Rechtgläubigkeit (hier gefunden) sieht beispielsweise so aus:

I believe that absolute moral truth exists.

I believe the source of moral truth is the Bible.

I believe the Bible is accurate in all of the principles it teaches.

I believe that eternal spiritual salvation cannot be earned.

I believe that Jesus lived a sinless life on earth.

I believe that every person has a responsibility to share their religious beliefs with others.

I believe that Satan is a living force, not just a symbol of evil.

I believe that God is the all-knowing, all-powerful maker of the universe who still rules that creation today.

Klar muss man pragmatisch verkürzen, aber die Schwächen dieses überhaupt nur für Insider verständlichen Sprachspiels sind offensichtlich und zeigen den Übergang vom Glauben zur Ideologie, wie man es sich schöner nicht wünschen kann:

Erstens steht das „Ich“ derart auffällig am Anfang jedes Satzes, dass der Individualismus und Subjektivismus einen regelrecht anspringt.

Zweitens haben zwei (und wenn man die Sündlosigkeit Jesu und die Pflicht zum „Zeugnis“ dazu nimmt, vier) seiner Kennzeichen mit Moral zu tun – Kant hätte seine helle Freude gehabt.

Drittens fehlt jede Vorstellung biblischer Offenbarung als Geschichte, stattdessen wird uns hier die Existenz zeitloser Prinzipien in einem unfehlbaren Buch vorgegaukelt.

Viertens steht deswegen die Schöpfung (und, wenn man es genau nimmt, auch Gott) am Ende und nicht am Anfang dieser Aufzählung.

Fünftens fehlt jeder Hinweis auf den Heiligen Geist und damit auch auf die Trinität, dafür aber kommt

… sechstens der Satan als negativer Glaubensgegenstand ins Spiel. Der fehlt in den Bekenntnissen der alten Kirche ja wohl nicht von ungefähr. Dass er offenbar konstitutiv ist für Barnas frommes Weltbild, spricht also auch Bände.

Man muss denn zuerst an die Moral, die Bibel und den Teufel glauben, bevor Gott ins Spiel kommt? Und wo war nochmal die Auferstehung geblieben? Nun mag es ja sein, dass Barna all das stillschweigend voraussetzt, was ich vermisse – vielleicht weil es christliches Gemeingut ist, das in diesem Zusammenhang nicht eigens erwähnt werden muss. Wär‘ doch schön…

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Erleichtert

Das erste (und, wie schnell deutlich wurde, sicher nicht das einfachste) Kapitel für die Neuausgabe von Fragen an das Leben ist geschafft, die Rohfassung von „Wer ist Jesus?“ steht. Ein gutes Gefühl! Morgen geht’s dann weiter mit „Hat das Leben mehr zu bieten?“

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Seltsame Erlösung

Der 85jährige Staranwalt Rolf Bossi plädiert im Focus für die Einführung der Todesstrafe für Täter mit „sadistisch-perversen Tötungsimpuls“.

So weit nichts Neues, das hört man ja an jedem Stammtisch. Verblüffend ist die Begründung, zu der Bossi „sein spät entdeckter christlicher Glaube“ gebracht hat: „Sterben muss jeder. Dann kann man diese Menschen auch gleich erlösen.“

Hat Bossi sich in Texas bekehrt oder wie ist das zu erklären?

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Unglückliche Unterscheidung

Der verräterische Sprachgebrauch natürlich/übernatürlich hat mich schon immer gestört. Eben wurde ich wieder daran erinnert. Ein Grund ist, dass das „Natürliche“, sprich: die Schöpfung, dabei banalisiert wird. Das ist oft weder beabsichtigt noch konsequent durchgezogen. Aber die Schöpfung an sich ist doch das größte Wunder.

Alle anderen Wunder gehören nach biblischen Kategorien zur Neuschöpfung der Welt, sie sind ihre vorlaufenden Zeichen, in denen sie vorweg genommen wird. Die unglückliche Unterscheidung Natur/Übernatur trennt hier also, was zusammen gehört. Und sie ist einem völlig unbiblischen deterministischen Weltbild verpflichtet, das in der Wissenschaft längst ausgedient hat.

Also – reden wir doch einfach von „Wundern“, wo immer wir Gottes Herrlichkeit wahrnehmen und ins Staunen kommen; weil wir wissen, es ist die natürlichste Sache überhaupt, dass Gott in seiner (!) Welt wirkt. Und lassen den alten Dualismus weg.

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Missional auf dem Land

Gestern war ich zum Predigen bei GMS in Frommetsfelden. Seit einigen Jahren bin ich jedes Jahr ein bis zweimal dort und genieße es immer sehr. Westmittelfranken mit seinen Dörfern und den herzlichen, bodenständigen Menschen ist ein wohltuendes Korrektiv für den Intellektuellen aus der Universitäts- und (wenn auch kleinen) Großstadt.

Ich finde es großartig, wie sich diese Gemeinschaft entwickelt hat über die Jahre: Durch Alpha und andere Aktivitäten (darunter auch – für Gemeinschaften dieser Größe außergewöhnlich viele – soziale und internationale Projekte) sind sie nach Jahren der Stagnation deutlich gewachsen und haben nun mit der evangelischen Kirchengemeinde als „Juniorpartner“ und vielen Eigenleistungen ein Gemeindezentrum gebaut. Im November ist die offizielle Einweihung, aber schon jetzt sieht es sehr schick aus.

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Klar erKant…

Manfred Lütz zur Krise der aufgeklärten Gottesglaubens nach dem Erdbeben von Lissabon 1752 (nett: die freche Anspielung im ersten Satz):

… hier wurde die Aufklärung Opfer ihrer eigenen selbstverschuldeten Verdunkelung. Sie hatte sich nämlich mit den Mitteln der menschlichen Vernunft einen vernünftigen Gott gebastelt, der als Weltbaumeister und Sicherer der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung fungierte und mit dem man kleinen Kindern Angst machen konnte, wenn sie ihre noch kleineren Geschwister verprügelten. Die Aufklärung hatte einen Gott konstruiert, von dem der stets ums eigene Wohlergehen besorgte Voltaire sogar sagte, man müsse ihn erfinden, wenn er nicht existieren würde. (…) Dieser tönerne Gott brach beim ersten Erdbeben auseinander. Eines ist freilich unübersehbar: Dieser Gott ist ein Kunstprodukt und meilenweit entfernt zum Beispiel vom christlichen Gottesbild.

(Gott: Eine kleine Geschichte des Größten, S. 57)

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Hochstapler :-)

In der nächsten Woche werde ich an der Überarbeitung des Alpha-Kurses arbeiten und danach warten drei Wochen Urlaub (den wir, anders als ursprünglich geplant, im Wesentlichen zuhause verbringen werden).

Alles gute Gründe, den Bücherstapel auf dem Schreib- und Nachttisch aufzustocken. Hier sind die Neuzugänge, die sicher auch auf diesem Blog ihre Spuren hinterlassen werden in den nächsten Tagen. Seit gestern vergnüge ich mich mit einem Weihnachtsgeschenk, nämlich Gott: Eine kleine Geschichte des Größten von Manfred Lütz.

Den Tipp zu William Cavanaughs Being Consumed: Economics and Christian Desire habe ich von Jason Clarke, der letzte Anstoß kam aus dem neulich erwähnten Podcast über Radical Orthodoxy.

Aus der Bibliothek habe ich dann noch von Niklas Luhmann Soziale Systeme: Grundriß einer allgemeinen Theorie entliehen. Das dickste Buch mit dem kleinsten Druck. Als Ausgleich muss dann noch ein guter Roman her, da sind die Würfel aber noch nicht gefallen.

Und zu persönlichen Inspiration liegt hier schließlich noch Brian McLarens Finding Our Way Again: The Return of the Ancient Practices ein ebenfalls noch ungelesenes Geburtstagsgeschenk. Langeweile, stets meine größte Sorge, ist damit schon ziemlich unwahrscheinlich geworden.

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Neuer Begleiter

Seit vorgestern begleitet mich ein W890i von Sony Ericsson. Ich habe mich für das hosentaschentauglichste Handy entschieden und bin so weit sehr zufrieden. Es ist extrem flach und handlich, an die kleinen Tasten habe ich mich schon gewöhnt, das Display ist gestochen scharf und die einfache Kamera schießt verhältnismäßig gute Bilder, leider ohne Blitz – aber der fehlt dem iPhone ja auch 🙂

Das federleichte und robuste Gehäuse ist aus Alu und passt zu meinem MacBook Pro. So lange mein Carrier (der mit dem blubbernden Logo) iPhones nur in anderen Ländern anbietet, ist das eine gute Lösung 🙂

Hier ein unbearbeitetes Testbild vom Mittwoch Abend:

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Viele Wünsche…

… hat man dem Volksglauben zufolge frei, wenn die Erde ab heute nacht durch den Perseidenstrom segelt. Aktuell sieht das Wetter um Erlangen nicht nach klarem Himmel aus, aber die ungewöhnliche Sternschnuppendichte soll noch bis zum 13. anhalten. Und wer das für Aberglauben hält, darf zu jeder Sternschuppe ein Gebet anbringen. 🙂

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Galeonsfigur

Time widmet seine Titelstory Rick Warren, der Obama und McCain demnächst befragen wird, und seinen P.E.A.C.E Plan. Ein erfreulich sachlicher Bericht über den wohl einflussreichsten Kirchenmann in den USA und die stetig fortschreitende Lösung der evangelikalen Bewegung von der Religiösen Rechten.

Ich hoffe, die Kollegen von der Zeit lesen das auch, bevor sie wieder so einen Artikel fabrizieren, der alles in einen Topf wirft.

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Der letzte Feind

Ein Onkel verstarb diese Woche unerwartet. Bisher haben wir nur die Generation der Großeltern beerdigt, irgendwie schien der Tod da noch weiter weg, und meistens war eine mehr oder weniger lange Krankheit vorausgegangen. Das war diesmal anders, vielleicht hat es mich auch deswegen so beschäftigt. Auf der Fahrt nach Detmold habe ich daran denken müssen, dass dieser Onkel bei den Familienfesten immer der war, der am herzlichsten lachte. Als ich am Grab stand und auf den Sarg schaute, malte ich mir aus, dass ich dieses Lachen irgendwann einmal wieder höre.

Christliche Beerdigungen sind auch ein Protest gegen den Tod. Wir nehmen ihn nicht achselzuckend als biologische Notwendigkeit hin, sondern machen uns bewusst, dass da eine einzigartige Person mit einer unverwechselbaren Geschichte aus unserem Leben und dieser Welt herausgerissen wurde, und dass das zutiefst unnatürlich ist (alles andere erinnert mich irgendwie an Cowslip in Richard Adams‘ „Watership Down„, wo der Tod totgeschwiegen wird und jeder nur still hofft, dass er nicht der nächste ist).

Also lassen wir uns unterbrechen, kommen zusammen und schieben die Trauer nicht einfach weg, indem wir noch etwas härter arbeiten. Wir schauen dankbar zurück und machen uns bewusst, was wir an einander hatten, statt den Verlust herunterzuspielen. Kerzen und Blumen sind keine hilflosen Gesten, sondern machen die Hoffnung anschaulich. Wir arrangieren uns nicht mit dem Tod, sondern betrachten ihn als den letzten Feind, dem wir gemeinsam ins Auge sehen. Er hat scheinbar einen Sieg errungen und wir fühlen den Schmerz, aber wir wissen zum Glück auch, dass das nicht das letzte Wort war und hoffen auf Gott, der den Tod entmachtet hat. Für alle, die schon gestorben sind, und für uns selbst.

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Bumerang

„Freundlichkeit ist ein Bumerang – sie kommt zurück.“ Diesen Satz las ich gestern an der Reparaturannahme einer Autowerkstatt. Beim Hinausgehen habe ich mich gefragt, warum das Schild eigentlich da stand. Denn wenn die Mitarbeiter das glauben, behandeln sie die Kunden so freundlich, dass es von selbst wirkt.

War das also eher eine dezente Einladung an den Kunden, das Personal gut zu behandeln? Anders gefragt: Wenn ich jetzt unfreundlich gewesen wäre, hätte ich dann eine unfreundliche Antwort bekommen? Ich kam allmählich ins Grübeln.

Solche und ähnliche Sprüche gibt es ja auch in unseren Gemeinden. Wenn wir sie aber auf Schilder schreiben und aushängen, könnten die Gedanken, die das bei Gästen auslöst, selbst zum Bumerang werden. Das wäre dann eher Stoff für eine Stromberg-Folge, wenn es die nicht schon längst gibt.

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