Transforming Nations…

Heute haben wir aus 25 Ländern Europas, Afrikas und des Nahen Ostens gehört, wie Alpha sich dort entwickelt. Es ist ein wirklich bunter Haufen. Unter den Anwesenden ist ein russisch orthodoxer Erzbischof und eine Gruppe Armenier, von denen einige der ältesten “Volkskirche” der Welt angehören. Und morgen kommt die zweite Hälfte, aber da bin ich schon wieder daheim um bei meinen eigenen Alpha Kurs zu sein.

Beim nächsten Mal sollten wir den Afrikanern ein paar Taschenwärmer zur Verfügung stellen. Die Ärmesten sitzen mit Mütze und Winterjacke oder dicken Wollpullis in unseren geheizten Räumen. Aber was viele von ihnen unter den schwierigen Umständen im Kongo, Angola, Zimbabwe und Südafrika bewegen, ist großartig. Immer wieder haben sie in den telegrammartigen Statements von Alpha Kursen in den Gefängnissen gesprochen. Das gibt Hoffnung, dass auf Dauer mehr als AIDS und Bürgerkriege das Schicksal der Menschen dort prägen.
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Wieder mehr Oasen

Seit gestern sind wir mit einem Team in London zur EMEA (Europe – Middle East – Africa) Woche von Alpha International. Nach anderthalb Tagen Meetings in geschlossenen und schlecht belüfteten Räumen bin ich heute mittag eine Runde Joggen gegangen.

Das Acacia Hotel liegt dafür günstig (abgesehen davon ist es schrecklich heruntergekommen, aber für London recht billig. Erinnert an die Beschreibung des “Railway Hotel” von Mike Batt). Aber der Hyde Park ist nur ein paar Minuten entfernt, und so war ich in der schon ziemlich fahlen Novembersonne eine Stunde lang im Hyde Park und Green Park unterwegs. Vorbei am Buckingham Palace, an Hunden, Enten und Kanadagänsen, Joggern und Reitern. Die Bäume sind noch nicht so kahl wie daheim. Hin und wieder ein paar merkwürdige imperiale Monumente, die uns als Deutschen zum Glück erspart geblieben sind.

Laufen hat etwas Meditatives. Die Gedanken werden ausgeschüttelt, ich komme auf eine ganz andere Weise in Kontakt mit mir selbst, habe wieder ein Gefühl für den Körper und die Emotionen steigen allmählich an die Oberfläche. In den letzten Wochen habe ich mir viel zu wenig Zeit für solche Oasen gelassen. Letzten Samstag saß ich Stunden über meiner Predigt für Sonntag und es kam einfach nichts. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann mir das das letzte Mal passiert war. Also mussten die Laufschuhe mit auf den Kurztrip. Es hat sich gelohnt.
Jetzt sitze ich in der Cafeteria des Dana Centre am Naturhistorischen Museum. Guter Cappuccino (da haben uns die Engländer mal eben so überspurtet in der Kaffeekultur!) und kostenloser WiFi Zugang. Im Innenhof fangen sich noch letzte Sonnenstrahlen. Makes my day.

Sehr zu empfehlen ist dort im Übrigen die Ausstellung des Wildlife Photographer of the Year!

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Drohbrief

Diese Woche habe ich einen echten Drohbrief bekommen. Keinen von der ganz schlimmen Sorte (er kam von einem Christen), auch keinen anonymen, aber immerhin mit dem deutlich erkennbaren Bemühen, mich einzuschüchtern und nicht etwa erst einmal einen strittigen Sachverhalt zu klären.

Was tun? Ich habe mit ein paar Leuten darüber gesprochen bzw. davon berichtet. Ich habe den Anlass (wenige Zeilen eines Textes, den ich vor 4 Jahren veröffentlicht habe) für den Brief rekapituliert und überlegt, wo ich einen Fehler gemacht und mir den Groll der betreffenden Person zugezogen haben könnte. Schließlich habe ich eine kurze Antwort geschrieben, von der ich natürlich nicht weiß, ob sie etwas klärt oder alles nur verschlimmert.

Vom Gefühl her war es ein bizarres Erlebnis. Es hat mich an ein paar Bemerkungen von Dallas Willard in “Aus dem Herzen leben” über den Umgang von Christen untereinander erinnert. In diesem Sinne auch ziemlich ernüchternd.

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Die unbe-Kante

Übersetzen hat seine Tücken. Einer der erheiternden Momente auf dem Willow Creek Kongress in Braunschweig war, als Erwin McManus über ein U2 Konzert sprach und sagte “there was the Edge”. Leider konnte man das große “E” nicht sehen und in der Übersetzung erschien der Gitarrist folgerichtig als “die (Bühnen-) Kante”. Ein Raunen ging durch die Halle. Aber wenn man es nicht weiß, hat man einfach keine Chance.

The Edge war also keine Kante, sondern den Unbe-Kante in dieser kantigen Übersetzung. Genug gekalauert. Vor solchen Situationen ist man nie sicher, aber darin liegt ja gerade der Reiz…

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Peripatetik im 21. Jahrhundert

Die besten Ideen kommen mir fast immer beim Joggen. Danach kommt das Herumspinnen mit Freunden. Inwiefern kreatives Denken mit dem Laufen zu tun hat, kann man bei Dr. Strunz nachlesen. Aber lange vor Forrest Gump und der von ihm losgetretenen Laufwelle waren die griechischen Philosophen schon in ihren Wandelhallen unterwegs. Denen scheint die Bewegung auch gut getan zu haben.

Was lernen wir daraus? Die unkreativste Arbeitsform sind Sitzungen. Das wird die wenigsten überraschen, aber es ist ein Grund mehr, sie nach Möglichkeit zu meiden!

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Big Brother

Gestern habe ich eine interessante Erfahrung gemacht: Ich telefonierte mit einem Techniker der Firma, die unsere computergesteuerte Heizung eingebaut hat. Er saß in Berlin und konnte von seinem Rechner aus feststellen, dass der Heizkörper, den ich für defekt hielt, in Ordnung war. Er erklärte mir, welche Schraube ich nachstellen musste und voila – er funktioniert.

Im Verlauf der Prozedur entdeckte ich auch, dass der freundliche Herr mir die aktuelle und gewünschte Raumtemperatur in jedem Zimmer hier sagen konnte. Schon ein seltsames Gefühl. Wie gut, dass die Heizkörper keine Ohren und Augen haben. Davon muss man ja ausgehen können.

Oder?

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Knigge-Rat

Gestern war ich in Limburg bei der Gründung des deutschen Knigge-Rats eingeladen. Sicher wird das alle die amüsieren, die mich als Kind der Turnschuh-Generation kennen (die hatte ich da nicht an). Ich wusste natürlich auch nicht so recht, was da auf mich zukommt, wie vermutlich auch alle anderen Teilnehmer.

Ich kam verkehrsbedingt etwas später und stand mit meinem Kaffee im Foyer. Es hatten sich mehrere Grüppchen gebildet, und weil die Presse etliche Leute interviewte, löste sich “meine” Runde auf und ich stand alleine. Ein paar Sekunden später drehte sich am Tisch vor mir jemand um, sah mich und lud mich freundlich ein an den anderen Tisch herüber zu kommen. Von gestelzter Höflichkeit keine Spur, auch später in den Gesprächen und zum Teil spannend kontroversen Diskussionen.

Wenn es gut geht, ist das eine schöne Möglichkeit, die Diskussion über wirklich wichtige Werte in unserer Gesellschaft mitzugestalten, und dann ist die Zeit gut investiert. Umgangsformen sind dann ein guter Einstieg in Gespräche, die weit tiefer gehen. Da als Theologe mitzureden, ist eine Gelegenheit zu zeigen, dass zwischen Glaube und sozialer Kompetenz ein Zusammenhang besteht.

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Am Limit

Wenn ich anfange, Sachen vor mir herzuschieben, die mir eigentlich Spaß machen, ist das ein untrüglicher Hinweis, dass alles zusammen zu viel geworden ist. Oft ist es nicht die schiere Arbeit, sondern dass die Kreativität eintrocknet. Das kann ich mir in dem Job nur einfach nicht leisten.

Höchste Zeit, dass ich mein Manuskript über keltische Spiritualität endlich fertig bekomme. Vom Verlag kam als Titelvorschlag “Licht der Sonne, Glanz des Feuers”. Klingt ganz ok, oder riecht das zu sehr nach Postkarten-Romantik?

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Spiritualität

Gestern war ich eingeladen zu einer Gesprächsrunde über Spiritualität, bewusst weiter gefasst als nur die christlichen Strömungen, die auch schon vielfältig sind. Die meisten Teilnehmer waren mir bis dahin unbekannt, aber es entwickelte sich ein gutes Gespräch. Jeder geht seinen Weg schon Jahre und Jahrzehnte, und man konnte das auf eine sehr angenehme Art spüren. Jeder hat sich diesen Weg etwas kosten lassen: Zeit und Energie, Demut und Mut zur Ehrlichkeit, das Hören auf andere und etliches mehr.

Als ich nach Hause kam, konnte ich gar nicht gleich einschlafen, sondern saß noch eine Weile auf dem Sofa und ließ den Abend nachklingen. Das Schöne war, dass die Runde meinen eigenen geistlichen Hunger (ist das das richtige Wort? Hm…) und die Sehnsucht nach Gott neu angeschoben hat. Gleichzeitig war ich etwas beschämt, weil ich denke, im großen und ganzen schöpfen wir als Christen unsere Möglichkeiten gar nicht aus, Christus ähnlicher zu werden. ICH schöpfe sie nicht aus. Aber das muss nicht so bleiben…

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Nicht dran denken…

Heute habe ich mich dabei ertappt, wie ich krampfhaft versuchte, nicht an ein Problem zu denken, an dem ich selbst nichts ändern konnte. Es haut einfach nicht hin, an etwas nicht zu denken. Irgendwie stellt sich mein Hirn ständig selbst ein Bein bei dem Versuch.

Also habe ich mich auf Dinge konzentriert, an denen ich mich konstruktiv betätigen kann oder die Spaß machen. Und plötzlich geht alles viel besser. Es hat mich einmal mehr daran erinnert, wie Recht Paulus in Philipper 4,8 hat…

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Farbtupfer

Nach ein paar schönen Tagen hat der Herbst nun auf Grau geschaltet. Zeit, die Farben zu aktivieren, die ich als langjähriger Frederick-Leser über den Sommer am Ende der Welt gesammelt habe:

trepassezpointe du van
drachenploumanac'h

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Auto-Alarmanlagen

Unweit meines Domizils befindet sich ein Parkhaus. In regelmäßigen Abständen und zu den unmöglichsten Zeiten hupt dort ein Auto (vielleicht auch mehr als eins) eine halbe Minute lang hektisch herum. Nachts (das Fenster im Schlafzimmer ist offen) freut mich das besonders. Heute ist das Vehikel besonders munter – es hupt schon zum vierten Mal.

Ich glaube, niemand in der Nachbarschaft nimmt das Gehupe noch ernst – der bekannte Abnutzungseffekt. Im Gegenteil, die meisten wären wohl recht froh, wenn das betreffende Fahrzeug endlich mal geklaut würde und Ruhe einkehrte. Haben die Hersteller von Auto-Alarmsystemen an diese Wirkung auch mal gedacht?

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Dreht der Wind?

Vielleicht das sinnenfälligste Symbol für einen möglichen Klimawechsel im Land ist das Poster von Benedikt XVI, das ausgerechnet Bravo diese Woche brachte.

Dass der Weltjugendtag und der Papstbesuch so für Furore im Land sorgt, hat sicher vielfältige Ursachen, die in den Medien diskutiert werden. Sogar in den Nürnberger Nachrichten, die generell nur sehr nüchtern, kritisch und distanziert zu Glaubensfragen Stellung nahmen, kommen inzwischen andere Töne: “Angesichts solch bedrohlicher Perspektiven (Anm.: Jobkrise, Terror, Klima, Globalisierung) suchen viele einen Halt, der über bloße Tageswahrheiten hinausgeht. Der christliche Glaube bietet ihn, auch wenn das über lange Zeit bei der Jugend nicht angesagt war. Auch wenn viele lieber die Antworten in östlichen Weisheitslehren, obskuren Sekten oder in der Verleugnung aller Transzendenz suchten.” (Kommentar vom 19.08.2005)

Eins hat mich dabei beschäftigt: Jenseits von euphorischer (Selbst-) Inzenierung, Pop-Kult um den Papst und was noch alles als “Erklärung” ins Feld geführt wird – könnte der Stimmungswandel nicht auch damit zu tun haben, dass auf diesem Weltjugendtag (und nicht nur da…) gebetet wird?

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Irische Impressionen (3): Bücher und Bildung

Ein bleibender Eindruck der Reise war der Besuch im Trinity College in Dublin, wo das Book of Kells ausgestellt ist. Man muss sich das mal klarmachen: Der größte Kunstschatz dieses Landes ist eine Bibelhandschrift. Keine Kronjuwelen, kein Palast, keine Kathedrale, kein Louvre.

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Wenn man sich durch die engen Räume der Bibliothek schiebt und die Erklärungen liest, bevor man sich an das dicht umlagerte Buch selbst herandrängt (unter Panzerglas mit anderen Werken bei sorgsam gedimmten Licht sieht man zwei Seiten), dann entdeckt man wieder erstaunliche Kleinigkeiten. Etwa, dass die blaue Tinte aus Lapislazuli gemacht wurde und das einzige damals bekannt Vorkommen dieses Steins in Afghanistan lag. Das ist wohl so, als müssten wir uns die Materialien vom Mond holen.

Aber die Bücher waren (neben der Wanderlust und dem Pioniergeist) der entscheidende Grund, warum ein Völkchen vom äußersten Rand des Kontinents das ganze barbarische Europa umkrempelte. Was noch einmal die Frage von letzter Woche aufwirft, ob eine geistliche Erneuerung auch geistig voll auf der Höhe sein muss, wenn sie Erfolg haben will.

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Summer in the City

Erlangen im August: Eine fast überirdische Ruhe macht sich breit. Die Feste, mit denen die Juliwochenenden verstopft waren, sind vorbei. Alles ist ausgeflogen, in der Stadt gibt es plötzlich Parkplätze und viel weniger Verkehr als sonst. Das Telefon klingelt kaum noch und es kommen so wenig e-mails, dass ich mich schon frage, ob etwas mit meinem Mailserver nicht stimmt.

Nie ist die Stadt so friedlich wie Mitte August. Vielleicht könnten wir noch ein paar Lichte abschalten, um heute nacht wieder nach Sternschnuppen schauen zu können? Eigentlich ist das Urlaub ohne Kosten. Und wenn die ersten wieder kommen, dann fahren wir weg… 🙂

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