Wünsche zu Bonhoeffers Geburtstag

Gestern also wäre Dietrich Bonhoeffer 100 geworden. Der Gedenktag könnte eine Chance für alle Christen sein, sich selbst an Bonhoeffers Vorbild zu prüfen und nicht (wie so oft) ihn zu vereinnahmen und gegen andere Richtungen zu instrumentalisieren.

Die Evangelikalen und Konservativen würden von Bonhoeffer lernen, dass Nachfolge richtig verstanden eminent politisch ist und das nicht nur im Sinne konservativer Familienpolitik und Sexualethik. Andere würden von ihm lernen, dass gesellschaftliches und politisches Engagement allein auch zu wenig ist und dass Jesus nicht nur als historisches Vorbild, sondern als lebendiges Gegenüber wirkt, vor dessen bedingungsloser Liebe und bedingungslosem Anspruch auf Gefolgschaft sich niemand verstecken kann.

Alle miteinander würden postliberal/postevangelikal mehr darüber nachdenken, wie man gemeinsam Kirche für andere sein kann und weniger, welche Richtung die besten Pöstchen in der Kirche und die beste Presse in der Öffentlichkeit bekommt. Und wir würden darüber nachdenken, was unsere blinden Flecken sind und wo wir heute intelligenten Widerstand leisten müssten. Gemeinsam, wenn es denn geht, aber notfalls eben auch so einsam wie Bonhoeffer.

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Karikaturen-Knatsch

Es ist schlimm, wie der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen eskaliert. Bei dem Konflikt wird hier zu Lande immer auf das Thema Freiheit abgehoben. Das ist auch richtig so, und es hat sogar christliche Wurzeln, dass wir heute Freiheit hoch halten im Westen, manchmal auch dann noch, wenn sie missbraucht wird. Obwohl wir – bei Islamisten etwa – da auch schon Einschränkungen diskutieren.

Übersehen wird dabei gelegentlich, dass es auch um Achtung und Respekt geht und dass Freiheit davon nicht zu trennen ist. Auch das ist ein biblischer Gedanke. Wir haben uns an eine Kultur der Respektlosigkeit gewöhnt, die zumindest in muslimischen Ländern undenkbar scheint. Hier gibt es im Interesse eines friedlichen Miteinanders etwas zu lernen. Wenn das passiert, wird keine Zensur nötig sein, machbar ist sie ohnehin nicht.

Letzten Ende liefern wir mit dem unweisen Gebrauch von Freiheit immer den falschen Leuten den Vorwand, andere gegen einander aufzuhetzen und am Ende die Freiheit selbst zu beschädigen.

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