Wer “MeChurch” nicht schon (z.B. bei Jason Clark) gesehen hat, sollte es hier nachholen:
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Quer gedacht
Wer “MeChurch” nicht schon (z.B. bei Jason Clark) gesehen hat, sollte es hier nachholen:
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Draußen macht der November unmissverständlich klar, dass der goldene Oktober vorbei ist und es nun nicht nur dunkler, sondern auch empfindlich kalt wird. Wir saßen heute nachmittag drinnen und haben Al Gores unbequeme Wahrheit über einen immer wärmer werdenden Planeten angesehen. Verschiedene Kritiker haben schon einige typisch amerikanische Schwächen bemängelt – und trotzdem sollte sich jeder diesen Film ansehen. Um so mehr, als inzwischen immer deutlicher wird, dass die Klimaveränderung auch gravierende ökonomische und soziale Krisen zur Folge haben wird. Und wenn man sich daran erinnert, dass ohne die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren Hitler kaum an die Macht gelangt wäre, wird deutlich, dass auch die politischen Konsequenzen verheerend sein könnten.
Es ist übrigens viel zu billig, auf die Amis herabzusehen. Unsere Automobilindustrie etwa hinkt im internationalen Vergleich weit hinterher und ist augenscheinlich zu dumm, um aus den Fehlern von Ford oder GM zu lernen. Im Film kam (wieder eine nette Illustration zum Thema “Mächte und Gewalten”) ganz deutlich heraus, dass die Sachlage ganz eindeutig ist, und dass die Gegner einer Klimaschutzpolitik aber systematisch Zweifel an den Zusammenhängen säen, so wie bis heute die Tabaklobby der Öffentlichkeit Sand in die Augen streut: Sollte die Wissenschaft wirklich gesagt haben…?
Am Ende des Nachspanns hieß es übrigens sinngemäß: Wenn Sie an das Gebet glauben, dann beten Sie, dass Menschen bereit werden, etwas zu ändern. Im Kino haben dabei einige gelacht: Beten!
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Ein Verantwortlicher aus einer befreundeten Gemeinde berichtete jüngst, die dortige Jugendgruppe habe auf seine Anregung hin ihren “Lobpreis” am Freitagabend in die Innenstadt verlagert – und zwar auf offener Straße, neben einem Kino und einer stets überfüllten Szenekneipe. Eine Art Praise God it’s Friday also.
Gestern beim Abendessen bekam ich dann den authentischen Kommentar meiner Kinder dazu mit, der für dieses Blog etwas zu unverblümt ausfiel. Ihre Begeisterung hielt sich, vorsichtig gesagt, in Grenzen. Wir werden diese Aktion also wohl nicht nachmachen. Und zwar nicht nur wegen meiner Kinder.
Vielleicht liegt ja ein Teil des cringe factors darin, dass hier eine Sache in der Öffentlichkeit inszeniert wird, die in unserer Kultur als sehr privat gilt? Bleibt nur die Frage, ob wir den Raum der Öffentlichkeit mangels Mut, Kreativität und Engagement völlig brachliegen lassen oder eine Antwort finden, die besser zu uns und in die Landschaft hier passt. Die Homepage allein wird’s nicht richten…
Conrad Gempf unterscheidet in Jesus asked zwei Arten von Geheimnissen, und die englische Sprache kommt ihm dabei zu Hilfe: Das eine, englisch “secret”, ist etwas, das mir verheimlicht wird und das ich nicht wissen kann (oder, als Eingeweihter verraten darf). Ich habe schlicht gar keinen Zugang zu diesem Wissen.
Das andere, englisch “mystery”, ist eine Sache, in der ich wie in einem Thriller oder Kriminalfall mitten drin stecke, ständig über Hinweise stolpere und es doch (noch) nicht kapiere. Es geht weniger um Wissen, mehr ums Verstehen. Die Geheimnisse des Glaubens sind von dieser zweiten Sorte: Seltsame Dinge direkt vor meiner Nase.
Leider will “Mysterium” im Deutschen irgendwie nicht so recht nach Krimi klingen. Der Gedanke aber bleibt wichtig: Selbst wenn wir es nicht richtig auf die Reihe bekommen – wir stoßen ständig auf Gottes Spuren – Indizien in einem mysteriösen “Fall”. Erst nach und nach ahnen wir, was sich da abspielt. Gott verheimlicht uns nichts, aber er lässt und an den Fragen knabbern.
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Ein Freund erzählte heute beim Joggen von einem Gespräch, in dem jemand sagte, er fände die Vorstellung eines perfekten Himmels, in dem alles vollkommen und in Ordnung wäre, so beängstigend, dass er um Glaubensfragen einen Bogen mache. Ich kann das gut nachempfinden. Da will ich auch nicht hin, es erinnert zu sehr an die Langeweile des Münchners im Himmel. Vielleicht ist es auch eine Wohlstandskrankheit. Leute, die hungern oder unterdrückt und verfolgt werden, stellen sich den Himmel vermutlich anders vor. Attraktiver irgendwie, denn da hat man einfach genug zum Leben, nicht ständig Angst und kann sich entfalten.
Wenn im satten Germanien niemand in den Himmel will, lockt man mit Versprechungen des Himmels auch keinen hinter dem Ofen vor (und konsequenterweise auch nicht mit Höllenkram). Vor allem, wenn man den Himmel sich so denkt, wie ihn die anderen nicht wollen: Autoritär verordnetes Glück, statisch, ätherisch und irgendwie blutleer. So eine Vorstellung kommt dann zustande, wenn der Himmel alles das wird, was dieses Leben nicht ist, oder theologisch gesagt, wenn Schöpfung und Erlösung, Gott und Welt in den größtmöglichen Kontrasten gezeichnet werden.
Muss das sein?
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… wäre ich für die Aktion “Gute Geister”. Ohne Gruseleffekte. Einfach im Rudel losziehen und irgendwelchen Leuten wahllos und ohne Hintergedanken etwas Gutes tun, um danach geisterhaft spurlos zu verschwinden.
Wer es noch eindeutiger haben möchte, kann sich ja kleine Flügelchen umhängen 🙂 Oder ein Kärtchen hinterlassen. Die domain www.gutegeister.org ist auch noch frei. Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr gefällt mir die Idee. Habt Ihr Vorschläge, was Gute Geister an Halloween so alles anrichten könnten? Dann schreibt Eure Ideen unten für alle als Kommentar.
Mit etwas Vorlauf können wir nächstes Jahr vielleicht ein paar Leute mobilisieren für ein Stück echter Gegenkultur…
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Jason erzählte letztes Wochenende die Geschichte des Journalisten John Diamond, der über seine Krebserkrankung und den zu erwartenden Tod schrieb und daraufhin wohlmeinende, aber haarsträubende Zuschriften von Christen erhielt, die er enttäuscht, aber nicht verbittert, als Gewissheitskrämer bezeichnete. Später fügte er noch an: Gewissheit führt zu Überheblichkeit, Zweifel zum Glauben.
Ungewissheit als Sprungbrett zum Glauben ist eine Sache, die herausfordert. Ich werde nicht gern verunsichert. Trotzdem geschieht es immer wieder. In den letzten Monaten habe ich mich vielen Leuten darüber unterhalten, wie ihre und meine vermeintlichen Gewissheiten sich an manchen Punkten in Luft aufgelöst haben – Schicksalsschläge, Desillusionierung, Selbstzweifel, offene theologische Fragen.
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Es geht wieder auf Ende Oktober zu und die Frage stellt sich, was machen wir zu Halloween? Die Marketing-Maschine läuft und hofft auf gute Absätze von Gruselmaterial und Süßigkeiten. Ich kannte es eigentlich nur aus Peanuts, wenn der große Kürbis über das Kürbisfeld steigt, was er übrigens nun seit genau 40 Jahren macht. Doch plötzlich kommt das Totenfest hier schwer in Mode. Ich kann mich dafür nicht begeistern, auch wenn ich bei manchen piepsstimmigen Geisterchen am meiner Tür schmunzeln muss, und zwar
Mehrere Richtungen zeichnen sich ab, hier ein Ausschnitt aus dem bunten Treiben:
1. Boykottieren
Die Strategie, mit der viele konservative Gruppen schon beim Fasching (in mancher Hinsicht das Pendant der Brasilianer, Venezianer und Rheinländer zu Halloween – die Angelsachsen feiern ja traditionell keinen Karneval) keine nennenswerte Wirkung erzielt haben. Manche fromme Kindergärten feiern keinen Fasching, aber es gibt im Februar ein Kostümfest – zuuuufällig zeitgleich. Die Kinder sagen natürlich trotzdem Fasching. Mit Verboten “erreicht” man eh nur die eigenen Kinder und ermöglicht ihnen oft auch keine eigenständige Auseinandersetzung mit der Thematik. Könnte ja sein, dass sie Halloween von sich aus doof finden.
2. Ignorieren
Wäre mir eigentlich am liebsten, aber kann man das auf Dauer machen? Gut, es ist bequem.
3. Konterkarieren
Da gibt es nun eine Reihe von Ansätzen:
Vielleicht gibt es bessere Ideen. Wie wäre ein Abend mit dem Motto “Hallo Wien”: Kaffeehaus-Atmosphäre, Walzer (“Heuriger” geht leider erst ab Martini), ein bisserl schwarzer Humor der Feder von Wiener Liedermachern und Literaten? Das würde wenigstens mir schon mal Spaß machen.
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Heute hatte ich ein kurzes Gespräch über eine theologische Frage, bei der ich mit der Argumentation meines Gegenübers nicht einverstanden war. Seine Reaktion war “aber das steht doch in der Bibel”.
Aber reicht das aus? Nicht immer, scheint mir: Kein geringerer als Jesus wird mit Bibelzitaten versucht und mit bester biblischer Begründung (fanden wenigstens seine Richter) hingerichtet. Zu allem Überfluss hat Jesus die Schrift an einigen Punkten kräftig korrigiert. Wenn wir nicht mit bestem Gewissen die fatalsten Fehler machen wollen, brauchen wir eine relativ klare Vorstellung, wo die Mitte der Schrift zu suchen ist, von der aus die Peripherie sich ordnen lässt.
Ich bin mal wieder über Sprachmüll gestolpert. Ein “dreifacher Familienvater”, hieß es diese Woche auf allen Kanälen, hat den Lotto-Jackpot geknackt. Das Geld wird er auch brauchen können, bei drei Familien wird man schnell arm.
Aber wahrscheinlich hat er nur drei Kinder, vermutlich in einer Familie. Bisher dachte ich, der Begriff Vater setze das Vorhandensein einer Familie mit einer gewissen Logik voraus. Und sei es, aber das wissen wir ja alle, eine Familie, die auseinander gegangen ist – oder sich vielleicht mit neuen Komponenten patchworkmäßig neu konfiguriert hat. All das passiert, Männern wie Frauen.
Nur dass niemand je “Familienmutter” sagt. Das wäre doch eine völlig überflüssige Doppelung von Selbstverständlichkeiten.
Ich bin für Gleichberechtigung. Der Begriff “Familienvater” ist diskriminierend. Weil er irgendwie suggeriert, Männer seien familienscheu (oder gar familienfeindlich) – und man es deshalb extra dazu sagen muss, wenn ein Erzeuger sich zum Nachwuchs bekennt oder so ähnlich.
Vielleicht können alle Väter, die das lesen, eine Protestnote unterzeichnen und an den Duden schicken. Oder an den Bundesverband der Zeitungsverleger, wenn es sowas gibt (bestimmt, oder?), an Journalistenschulen, Germanistikprofessoren, Fernsehsender und Ursula von der Leyen. Wir könnten anfangen mit “liebe Buchstabenschreiber” und dann erklären, warum Familienvater eine genauso dämliche Wortschöpfung ist.
Gute Nacht…
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Deutschland im Jackpotfieber. Ein Irrsinn, wenn man sich vor Augen hält, wie oft Lottogewinner an ihrem vermeintlichen Glück zerbrechen. Heute las ich eine beeindruckende Zusammenstellung solcher Schicksale. Die Frau eines Rekordgewinners in den USA sagt heute, sie hätte den Schein damals zerreißen sollen. Viele Lottomillionäre leben nach einiger Zeit von Sozialhilfe. Alles nur bedauerliche Einzelfälle, schwache Charaktere, unfähige Berater?
Warum wird nicht mehr über die hässliche Seite der Spielerei geschrieben und gesprochen? Erstens weil viele, einschließlich Staat und Fernsehen, gut daran verdienen. Aber Lesslie Newbigin hat völlig Recht, wenn er Geld unter die “Mächte” rechnet, die wir normalerweise ignorieren oder völlig unterschätzen. Das ist nicht nur ein materielles, sondern auch ein spirituelles Problem. Sie versprechen scheinbar Glück und sorgenfreies Leben und bringen nur allzu oft (aber eben auch nicht zwangsläufig…) das exakte Gegenteil. Mit solchen Summen werden Kräfte entfesselt, die auch gefestigte Charaktere (in letzter Zeit frage ich mich immer mehr, was genau das eigentlich ist) ins Schleudern bringen.
Was würde ich mit 35 MIllionen Euro machen? Täte es mir gut, wenn ich meinen Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen müsste? Was würde aus meinen Kindern, wenn wir uns plötzlich (fast) alles leisten könnten? Was würde aus meinem Freundeskreis, wenn ich nicht mehr sicher sagen könnte, ob Leute in Wahrheit mehr an meinem Geld interessiert sind als an mir als Person? Würde ich alte Freunde verlieren, weil ich plötzlich vom Lebensstandard her in einer anderen “Liga” spiele? Kann man einen solchen Gewinn geheim halten? Was wäre in meiner Bank los, wenn so eine Summe auf mein Konto einginge? Könnten die Mitarbeiter sich das Tuscheln verkneifen oder würde jemand RTL einen anonymen Tipp geben? Was ist mit der Angst vor Räubern und Erpressern, wie gut würde ich noch schlafen? Manchmal ist es wohl besser, gar nicht in die Nähe von so viel Geld zu kommen. Der Sog kann vernichtend sein. Ich habe nicht getippt – und damit schon gewonnen.
P.S.: Warum heißt es eigentlich Glückspilz und Unglücksrabe?
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Am letzten Sonntag haben wir 5 Jahre LebensArt gefeiert. Wir hatten Ende 2000 knapp 300 Leute interviewt, wie Kirche denn aussehen müsste, damit es für sie wieder interessant wird. Viele sind dann 2001 zur “Kirche in der Kneipe” gekommen, und wir mussten das Unicum in Erlangen am ersten Sonntagabend im Monat erst zweimal nutzen und schließlich auswandern, weil es zu klein war.

Aber das ist nur die äußere Sache. Innerlich hat sich nicht nur bei den Gästen, sondern auch beim Team und vor allem bei mir selbst viel verändert. Themen kreativ aufzuarbeiten und sich dabei immer zu fragen, welchen Zugang Menschen brauchen, die nicht fromm sozialisiert sind, hat mir mächtig geholfen, Dinge mit anderen Augen zu sehen und vieles zu entdecken, was mir bis dahin nicht aufgefallen war. Insofern geht der Lernprozess keineswegs nur in eine Richtung. Mein Glauben ist gewachsen und hat sich verändert. Die Lektionen werde ich demnächst in einem extra Post zusammenstellen.
Wir haben auch ein paar Gäste über die letzten Jahre interviewt, und die Antworten findet Ihr hier. Nichts von dem wäre möglich gewesen ohne ein tolles Team, das sich trotz gelegentlicher personeller Engpässe immer ein Bein ausgerissen hat: Ideen zusammengetragen, Dekorationen und Installationen, schräge Videoclips, Spiele und Theaterszenen (die haben wir revue passieren lassen und uns selbst dabei noch einmal königlich amüsiert). Dazu unsere Band und die Helfer an der Theke, die wir nun in Eigenregie betreiben. Ich freue mich schon auf die nächsten Jahre.
Alle Flyer der letzten Jahre, in sich eine ganze Kunstgalerie und längst schon Kult- und Sammelobjekte, gibt es übrigens auf einem Poster. Wer möchte, kann im ELIA-Büro eines erstehen.
Manchmal ist der erste Schritt zu gesellschaftlichen Engagement der, dass man sich informiert. Christen sind da sehr unterschiedlich, vor allem, wenn es um die eigene Stadt geht. Während man in anderen Bereichen über Radio und Fernsehen Nachrichten bequem und mundgerecht geliefert bekommt, erfordert das Lokale in der Regel etwas mehr Einsatz.
Erstens muss man lesen statt hören und gucken. Zweitens bekommt man viel Nebensächliches geliefert (Kreisliga-Fußball, die sprichwörtlichen Kaninchenzüchtervereine…). Eine andere Kröte, die man dabei oft schluckt, ist schließlich die Tatsache, dass viele Lokalblätter nicht so ganz das literarische Niveau von Zeit oder SZ erreichen.
Ich bin gespannt, was Ihr dazu denkt. Hier kommt die Umfrage:
Gruß an alle Anselms da draußen: Ich habe beim Quizfarm-Test als “Moltmann” abgeschnitten. Im Übrigen: Mehr Calvin als Luther? Hat mich leicht verblüfft, aber so ist es eben:
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