Das Gepäck daheim lassen

Alan Roxburgh hat uns heute morgen mit Lukas 10,1-12 konfrontiert und viele interessante Beobachtungen waren die Folge. Beim Lesen zu Beginn dachte ich mir, wenn christliche Mission diesem Beispiel gefolgt wäre und sich vom Wohlwollen und der Gastfreundschaft derer, an die sie sich richtete, abhängig gemacht hätte, wäre der Welt Vieles erspart geblieben. Da kann man sich weder Arroganz noch Druck und Manipulation leisten und keine brüskierende „Hit & Run“-Methodik, die überall verbrannte Erde hinterlässt.

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Gefahr vom Altar

Eines meiner Kinder berichtete neulich von einem Lehrer, der einen Mitschüler im Unterricht derb als „Fettsack“ titulierte. Die Entgleisung blieb offenbar folgenlos, ich war dennoch entsetzt. Lernerfolge nehmen kaum zu, wenn Schüler jederzeit mit solchen Abfälligkeiten rechnen müssen.

Das alles verblasst jedoch momentan angesichts täglich neuer Hiobsbotschaften aus Schulen im ganzen Land. Die SZ berichtet aktuell über das Internat der Regensburger Domspatzen und den ehemaligen Leiter der Vorschule dort. Unbegreiflich fand ich etwa diese Notiz:

Der Schüler aus den Sechzigern erinnert sich: „Als Meier bei der Frühmesse kurz vor der Wandlung ein Wispern vernahm, schleuderte er die goldene Patene, den Teller, auf dem die Hostie lag, wie einen Diskus in Richtung des vermeintlichen Störenfrieds, der es mit der scharfen Kante an die Schläfe bekam.“

Zum Stellenwert von „Ordnung“ habe ich mich gerade erst geäußert. Wem die Schüler nicht heilig sind, dem ist es das Sakrament wohl auch irgendwann nicht mehr. Die Patene wird zur Waffe und die Messe wird pervertiert – durch den unheiligen Zorn aller positiver Symbolik beraubt.

Aber der erste Schritt in diese Richtung ist schon mit abfälligen Worten wie „Fettsack“ getan.

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Verspielte Zukunft

Vor ein paar Tagen las ich irgendwo, dass uns Polen 2050 in der Entwicklung überholt haben wird, weil unser Bildungssystem zu schlecht ist. Zu wenig Akademiker mit Abschluss, zu wenig Abiturienten. Kurz darauf erzählte ein Freund von einem Studenten mit süddeutschen Einser-Abi, der in einer Prüfung an der Uni durchgefallen war. 70% der Studierenden scheitern offenbar im Schnitt an dieser Klausur. Und die Professoren sind nicht etwa erschüttert, sondern kommentieren das mit einem gewissen Stolz.

Kein Wunder, dass wir so düsteren Zeiten entgegen gehen: Wenn begabte, motivierte und (davon gehe ich jetzt aus) fleißige junge Menschen akademisch derart abgeschlachtet werden, muss sich jeder Dozent fragen lassen, was sein Unterricht denn taugt. Eine Durchfallquote von 70% verrät doch entweder, dass der Unterricht bodenlos schlecht war oder die Ansprüche unverhältnismäßig hoch – versehentlich, weil man das Leistungsvermögen der Studierenden nicht einschätzen kann, oder bewusst, weil man die eigene Überlegenheit demonstrieren will auf Kosten anderer. Je schlechter der Student, desto besser der Prof, wäre die kranke Logik.

Wer solche Leistungen als Lehrender abliefert, hätte für mein Empfinden eine Abmahnung verdient und gehörte im Wiederholungsfall gefeuert. Und so lange das nicht geschieht, warum nicht die Namen der pädagogischen „Minderleister“ samt Misserfolgsquote im Netz veröffentlichen?

PS: Frage an die Hochschulrektoren: Wie machen die Polen das eigentlich?

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Satanische Vorstellung?

Mark Driscoll – wen wundert’s? – hat mit „Avatar“ die neueste Ausgeburt der Hölle entdeckt. „Paganism“ und „Satanism“ scheinen für ihn dasselbe zu sein, obwohl letzteres ohne Christentum kaum denkbar ist.

Jason Clark setzt dem nun eine positivere und differenziertere Sicht entgegen. Ich finde Driscoll wie fast immer maßlos. Man kann die unübersehbar Anklänge an den Mythos vom edlen Wilden und die neokolonial gestrickte Gestalt des weißen Messias kritisieren, aber mit Satanismus oder Heidentum hat die eher kitschige Story wenig gemein.

Was Driscoll und seine aggressive Kritik betrifft, so scheint er mir in der Tat mehr zu den „Himmelsmenschen“ in Kampfanzügen zu passen und das Kulturmandat (und sein Verständnis von Kunst?) aus Genesis 1 im Sinne der kategorischen Unterwerfung statt der achtsamen Fürsorge zu lesen. Dann ist so ein Film natürlich gefährlich.

Die chinesischen Behörden fanden das im Übrigen auch…

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Gut fürs Herz

Einer Untersuchung von Kardiologen aus dem kalifornischen Oakland zufolge müssen Menschen, die täglich mehrere Tassen Kaffee trinken, seltener wegen Rhythmusstörungen im Krankenhaus behandelt werden.

hier gefunden

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Die lieben Griechen…

Eben lese ich von einem Flugblatt in Griechenland, das in Empörung über den frechen Focus zum Boykott aufruft und dabei folgende Aussage trifft:

Die Verfälschung einer Statue der griechischen Geschichte, Schönheit und Zivilisation, die aus einer Zeit stammt, wo sie (die Deutschen, Anm. d. Red.) Bananen auf Bäumen gegessen haben, ist unverzeihlich und nicht hinnehmbar.

Nun lieben die Germanen zweifellos ihre Bäume, für die sie von der EU jedoch keine Prämien kriegen und daher auch keine falschen Angaben machen mussten. Aber vielleicht sollten die klammen Wächter der Zivilisation nochmal die paar Zeilen zu „Bananen“ in der Wikpedia nachlesen…

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Dilemma

Darf ein Staat Diebe belohnen?“ fragt etwa die SZ, wenn es um den Ankauf von Bankdaten geht, die Steuerhinterzieher überführen könnten. Aber geht es nicht eigentlich nur noch darum, welche „Diebe“ man belohnt?

Vielleicht sehe ich das zu einfach, aber mir scheint: Wenn die Bundesregierung die Daten kauft, dann jagt die Schweiz die einen und Deutschland die anderen Diebe. Wenn nichts passiert, wird niemand gejagt (na ja, die Schweizer werden trotzdem nicht untätig bleiben). Das wäre das deutlich ungünstigere Signal. Zeit also für etwas Steinbrück’sche Entschlossenheit, vielleicht ohne die kontroverse Rhetorik, aber Handeln wäre gut.

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Endlich sagt’s mal einer!

… und dann auch noch in der Welt. Chapeau! Diesen Artikel über zunehmend undifferenzierte, derbe Islamkritik, deren Exponenten brutalstmöglich formulieren und sich obendrein von irgendwelchen „politisch Korrekten“ verfolgt fühlen, sollte jeder lesen. Ganz, daher hier kein auszugsweises Zitat.

(Und als Deutscher lohnt der Blick in die Schweiz, wo nach den Minaretten nun deutsche Hochschullehrer zu Sündenböcken der SVP geworden sind. Die Geister, die man ruft…)

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„Wo bleibt er denn?“

Der Häftling aus Zelle XV legte die Zeitung kopfschüttelnd zur Seite. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Diese Zwischenbilanz ist bestenfalls Kreisklasse. Ich habe mehr von ihm erwartet.“

„Wieso,“ fragte der Zellennachbar aus XIV durch die Gitterstäbe, „er hat doch keine schlechte Presse?“

„Ja, aber er kommt nicht so recht aus dem Knick“, antwortete der Typ mit dem wilden Bart und den lange Haaren. „Er scheint noch üben zu müssen für den großen Wurf. Und er verkrümelt sich in der Provinz, weit im sicheren Norden.“

„Na, sicher sieht anders aus, bei den vielen Rebellen dort im Hügelland“, hielt der andere dagegen. „Irgendwann werden sie sich sammeln und nach Süden ziehen.“

„Ob das für uns beide noch reicht? Die scheinen uns vergessen zu haben. Kein Wunder, aus diesen dicken Mauern dringt ja auch nichts nach außen. Ich frage mich allmählich, ob ich einem Schauspieler auf den Leim gegangen bin. Wenn er wirklich unser Mann wäre, säße ich dann noch hier? Ich meine, lies doch mal diesen Bericht: Ich kenne kaum die Namen der Käffer, die dort aufgezählt werden.“

Der aus XIV ließ sich die Zeitung durchs Gitter reichen. „Ich auch nicht“, sagte er nach einer Weile. „Und was mich noch mehr wundert: Er scheint die völlig falschen Leute zu rekrutieren.“

„Sag‘ ich doch“, grummelte der Bärtige. „Es sind jetzt schon acht Monate, dass sie mich hier eingesperrt haben. Langsam muss mal was passieren, sonst komme ich noch um in diesem Gemäuer. Die warten nur darauf, dass ich draußen vergessen werde, und dann bringen sie das zu Ende.“

„Du warst für mich immer der Größte“, sagte der andere. „Keiner hat denen da oben so deutlich die Meinung gesagt wie du. Und doch sind sie alle gekommen, um dich reden zu hören. Ich meine, sogar das Wachpersonal und der Alte erstarren noch in Ehrfurcht, wenn du den Mund aufmachst. Deswegen kommt er ja immer wieder mal vorbei. das macht er bei keinem anderen von uns.“

„Ja, der Alte kommt vorbei. Aber Er hat mich anscheinend vergessen. Oder er ist zu schwach. So oder so ist es deprimierend. Ich dachte, zu zweit hätten wir eine reelle Chance, hier etwas zu reißen. Ohne ein gewaltiges Blutbad hätte uns niemand ausschalten können. Wir hätten uns die Bälle zugespielt: Ich übernehme den aggressiven Part, er gibt den Versöhner, das kann er besonders gut. Aber eben nicht mehr als das, wie man sieht.“

Der Bärtige wurde plötzlich still. Durch das Gewölbe drangen Stimmen an ihr Ohr, die allmählich näher kamen. Er lauschte angestrengt, dann hellte sich seine Miene auf: „Endlich! Das sind Simon und Philipp. Sie haben ein paar Nachforschungen angestellt für mich. Mal sehen, ob sie gute Neuigkeiten haben.“

Es klapperte, und ächzend schwang die schwere Tür auf. Zwei junge Männer kamen herein, hinter ihnen steckte ein Wärter den Kopf in den Flur und legte dann wieder den Riegel von außen vor. Die beiden sahen müde und etwas verstaubt aus. Als sich ihre Blicke mit denen des Bärtigen trafen, flackerte Unsicherheit auf. Der eine blickt zu Boden, der andere fuhr sich mit der Hand durch das Haar und räusperte sich umständlich.

„Habt Ihr ihn gefunden?“, fragte der Bärtige. Die beiden nickten, und mit einer kleinen Verzögerung bestätigte Philipp: „Ja, aber ich bin mir nicht sicher, ob Dir seine Antwort gefällt.“

Es ist das Jahr 29, Herodes Antipas (der „Alte“) hat Johannes der Täufer in der Festung Machärus inhaftiert. Jesus unternimmt nichts, um Johannes zu befreien. Wenig später wird der Täufer hingerichtet. Ob er an Jesus verzweifelte oder ob ihn die Antwort Jesu aus Mt 11,2-6 tröstete, erfahren wir nicht. Wer möchte, kann hier weiter hören.

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Links weiterdenken

Wer noch Resturlaub hat und sich wegen des nahenden Schneesturms nicht mehr weit hinaus wagt, kann sich mit den folgenden Links bilden und informieren

  • Spiegel Online über hochwertige Fahrräder aus Bambus und Hanf, vielleicht die klimafreundlichste Art der Fortbewegung
  • John Banville über das Entsetzen in Irland nach dem Bekenntnis von Sinn Fein Chef Gerry Adams zu mehreren Fällen von Kindesmissbrauch durch Vater und Bruder und die historische Chance, sich auch den anderen Fragen zu stellen, vor denen man die Augen fest verschlossen hatte, vor allem den Verbrechen der IRA
  • Tony Jones antwortet auf Andrew Jones (der 2009 zum Enddatum der Emerging Church erklärt, es aber nicht so gemeint hat) und zitiert dabei Marx – spannend.
  • Noch aus dem alten Jahr, aber brisant ist dieser Auszug aus dem neuen Buch Patience with God von Frank Schaeffer über die Evangelikalen in den USA. Schaeffer sagt, die Bewegung werde durch ein paar Stars und eine Reihe von Feindbildern zusammengehalten. Wer letztere nicht teilt, wird hinausgedrängt. Den einflussreichen gemäßigten Evangelikalen wirft er vor, dass sie die rechten Hardliner einfach gewähren lassen und sich so mitschuldig machen.
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Unweihnachtlicher Kalauer

Bevor gleich alles in Besinnlichkeit versinkt und die große Stimmung über uns kommt, hier eine drängende Frage, die mich seit einer Weile beschäftigt:

Wie nennt man das, wenn zwei Leute darum wetteifern, wer geistlicher ist?

Antwort (funktioniert bei Franken besonders gut):

Ein Spiri-Duell

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Deutsch zum Abgewöhnen: „Lohnenswert“

Vor allem im noch jungen Genre der (vorweihnachtlich häufig konsultierten) Amateur-Testberichte in Online-Foren taucht immer häufiger der absurde Begriff „lohnenswert“ auf. Google hat dazu 301.000 Treffer angezeigt, damit ist das unsinnige Attribut dudenfähig, denn wenn die Mehrheit Quatsch redet, wird Quatsch „richtig“ – jedenfalls so lange man meint, Durchschnitt und normal sei dasselbe.

Aber entweder ist etwas lohnend, oder es hat einen Wert. Der Einwand, das Wort würde nur falsch gebraucht (da hat jemand zur Rechtfertigung sogar einen Wikipedia-Eintrag produziert!), geht ins Leere. Es wird praktisch immer irreführend und gedankenlos gebraucht: als Doppelmoppelei und umständliches Synonym von lohnend eben.

Schlampige Sprache finde ich ärgerlich und traurig. Wir haben nur die eine, und die sollten wir gut behandeln. Lohnenswert im – theoretisch gesprochen – „korrekten“ Sinn des Wortes, also verdienstvoll (ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gäbe) wäre es, den kruden Ausdruck aus dem aktiven Vokabular zu streichen. Und wenn andere ihn verwenden, kann man sich ja dumm stellen und nachfragen, was sie damit nun sagen wollten.

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