Angenehm überrascht

David Hart rehabilitiert Anselm von Canterbury gegen den notorischen Vorwurf, seinetwegen dominiere in der westlichen Theologie das Strafleiden Christi und damit verbunden ein zumindest ambivalentes, im Grunde aber gewalttätiges Gottesbild und ein juristisches Verständnis von Rechtfertigung (vgl. die verbreiteten erbaulichen Phrasen wie Blut geflossen, Preis bezahlt, Genüge getan, Zorn besänftigt, Schuld getilgt…). Für Hart stellt sich die Sache anders da:

Christus nimmt die menschliche Geschichte (“human story”) auf und erzählt sie richtig, indem er auf Gottes Aufruf die richtige Antwort gibt; in seinem Leben und Sterben erzählt er die Menschheit neu (“renarrates humanity”) nach ihrem wahren Muster von liebendem Gehorsam, Demut und Nächstenliebe, und zeigt so, dass alle menschlichen Geschichten von Gerechtigkeit, Ehre und Recht Erzählungen von Gewalt, Falschheit und Tod sind; und indem er es zulässt, dass die ganze Menschheit durch seinen Tod innerhalb dieser neu erzählten Geschichte ihren Ort findet, stellt Christus sie wieder her zur Gemeinschaft mit dem Gott unendlicher Liebe, der sie zu seinem Wohlgefallen geschaffen hatte.

The Beauty of the Infinite, S. 371

 Wikipedia Commons 5 59 Anselm Of Canterbury

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Werkstatt: Fragestellungen

Ich bin immer noch am Thema “Sünde, Kreuz und Bekehrung im Horizont der Postmoderne” und frage mich gerade, ob die Themenstellung nicht schon symptomatisch ist für die Probleme, auf die christliche Verkündigung eines bestimmten Typs trifft.

  • Um adäquat über Sünde zu reden, müsste man zuerst über die Schönheit der Schöpfung reden.
  • Um adäquat über das Kreuz zu reden, müsste man zuerst über die Menschwerdung Gottes reden.
  • Um adäquat über Bekehrung zu reden, müssten wir zuerst über die Neuschöpfung aller Dinge reden.

Dann können wir auch darauf hoffen, dass wir verstanden werden. Und das nicht nur, weil wir in der Postmoderne leben, sondern auch, weil es die biblischere Perspektive ist.

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Weihnachtsmusik

Ich finde zugegebenermaßen viele Weihnachtslieder kitschig und theologisch nur zu ertragen, wenn man nicht richtig hinhört. Das gilt nicht nur für Jingle Bells und Leise rieselt der Schnee, auch das notorische “O du fröhliche” reizt noch zum Bildersturm: Was soll eigentlich an der Weihnachtszeit so gnadenbringend sein? (Was süßliche Krippenspiele angeht: hier ein Boykottaufruf auf Connexions)

Aber zum Glück gibt es ja Alternativen. Eine der schöneren ist dieses Lied von Don Francisco, das man hier auch online bekommt – idealerweise gegen eine Spende. Unten könnt Ihr den Text mitlesen, der dieses Geschenkes Gottes an die Welt (und damit das ganze Evangelium) in nur wenigen Worten wunderschön auf beschreibt.

CHRISTMAS SONG

The center of the ages
The Lord talks with a girl
And by the words He speaks
He gives a Savior to the world
The time grows to it’s fullness
And Mary’s son is born
The promises‘ fulfillment
Lies asleep now in her arms

He didn’t come to terrify
To judge or condescend
To call us all His servants
But to lift us as His friends
To save us all from Satan’s power
To reign at his right hand
In the little town of Bethlehem
When God became a man

Today the God of majesty
Has given to the earth
A gift of such magnificence
We could never plot it’s worth
And the rudeness of the setting
Just ignites the jewel’s fire
A pearl beyond the greatest price
The joy of man’s desire

He didn’t come to terrify
To judge or condescend
To call us all His servants
But to lift us as His friends
To save us all from certain death
To reign at his right hand
When once for all eternity
God became a man

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Schatten und Licht

Die längste Nacht des Jahres hat begonnen und der Dezember ist kalt wie lange nicht mehr, ausreichend Stoff für etwas Melancholie. Oder gute Bücher und Musik, ein Glas Wein und einen fröhlichen Film, der den kalten Hauch der Wintergeister in Schach hält?

Immerhin sind Erfolge zu vermelden: Vieles habe ich noch erledigen können (die Predigt für den Heiligabend noch nicht ganz…), auch privat: Heute haben wir noch einen Baum erstanden. Ich war mir noch etwas unsicher, aber Martina fand ihn schön, und in diesem Fall zählt das mehr. Berichtet doch heute die Süddeutsche wissenschaftlich abgesichert: “Eine gute Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass Männer den Einfluss ihrer Frauen akzeptierten.

Na also 🙂

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So schön kann Theologie sein

Gestern kam David Bentley Harts “The Beauty of the Infinite” mit der Post. Was soll ich sagen? Schon auf den ersten paar Seiten hat mich das Buch gefesselt. Hart ist ostkirchlicher Theologe und auf der Höhe der Zeit, wenn es um die Philosophie der Postmoderne und ihre Kritik an der klassischen Metaphysik und den modernen Metanarratives geht:

Theologie ist keine Kunst, die von der Geschichte auf die Ewigkeit abstrahiert, von Fakten auf Prinzipien, sondern eine, die – unter dem Druck der Geschichte, die zu interpretieren sie aufgerufen ist – entdeckt, wie die Sphäre ihrer Erzählung sich in immer größere Dimensionen des Offenbarten hinein ausdehnt, die Linie zwischen dem Geschöpflichen und dem Göttlichen überschreitet (…), weil diese Linie schon überschritten ist, nicht symbolisch, sondern tatsächlich, in der konkreten Person und Geschichte Jesu.

Aber mehr noch als das hat mich der Ansatz beim Thema Schönheit berührt. Auf den ersten Seiten zu diesem Begriff wusste ich schon gar nicht mehr, was ich noch alles anstreichen sollte. Hier ein kleiner Auszug, weil es einfacher ist auf Englisch:

In the beautiful God’s glory is revealed as something communicable and intrinsically delightful, as including the creature in its ends, and as completely worthy of love; what God’s glory necessitates and commands, beauty shows also to be gracious and inviting; glory calls not only for awe and penitence, but also for rejoicing; God’s ordinance is also ordonnance, so to speak. There is also a moral element in receiving the glory of God’s work under the aspect of beauty: the beautiful fosters attachment that is also detachment, possession in dispossession, because it can be received only at a distance, only in letting be, as gift; where glory bestows itself as beauty it consecrates otherness as good, and of God’s goodness.

David Bentley Hart, The Beauty of the Infinite: The Aesthetics of Christian Truth

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Höhlenmenschen unter uns?

Jede Gemeinschaft hat ihre mürrischen, alten Seelen, die immerfort altern. Wir nennen sie CAVE-Menschen (Citizens Against Virtually Everything … ), sie sind sich seit Jahren gleich geblieben, schwenken die Fahnen einer Weltsicht, die für sie funktioniert hat und die sie nie in Zweifel gezogen haben.

Don Beck/Christopher Cowan

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Auf Sand gebaut

Norbert Knöll hat mir heute ein Foto seiner ehemaligen Gemeinderäume in Nürnberg-Mühlhof geschickt. Das alte Fabrikgebäude steht am Rednitzufer auf Sand. Die Pfähle, die es wohl auch gegeben hatte, halfen nicht mehr, und so kam es in den letzten Monaten zunehmend ins Rutschen.

Vergangene Woche schließlich stürzte ein Teil des Komplexes ein. Eher ungewöhnlich in unseren Breiten, aber eine gute Illustration zum Schlussgedanken der Bergpredigt.

Mühlhof

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Basketball-Video

Das Basketball-Video hat beim Emergent Forum viele tief beeindruckt. Hier kann man es zwar nicht herunterladen, aber wenigstens noch einmal ansehen und anderen zeigen.

Für alle, die es noch nicht kennen: Konzentriert Euch auf das weiße Team und zählt, wie oft der Ball abgespielt wird. Holt Euch einen Partner dazu, der das schwarze Team im Auge behält. Viel Spaß beim Auswerten 🙂

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Raumfragen: Gemeinde als “Familie”?

Heute beim Kaffee kam das Gespräch darauf, dass eine Bedeutung von Weihnachten die ist, dass Gott alle Menschen (zumindest potenziell) als Teil seiner Familie ansieht. Mit der Konsequenz, dass er von uns erwartet, dass wir andere (ohne Ausnahme!) auch so behandeln. Nächstenliebe unterscheidet nicht mehr nach Gruppen, Clans, Völkern und was einem dazu sonst noch alles an äußeren Abgrenzungen und Kategorisierungen einfällt.

Trotzdem wurde mir bei dem Begriff “Familie” etwas unwohl. Ich erinnerte mich an ein Gespräch letzte Woche, wo jemand anders die Erwartung formulierte, unsere Gemeinde müsse “wie eine Familie” werden. Ich fürchte, das führt direkt in die Überforderung, und von da aus in Frust und Rückzug. Ich habe es auch schon mehr als einmal miterlebt.

Heute musste ich wieder an die Unterscheidung zwischen öffentlichem, sozialem, privaten und intimen Raum von Joseph Myers denken: Für uns ist Familie etwas privates, wahrscheinlich mit Kern- und Rumpffamilie sogar etwas Intimes. Die Leute, die mein Schlafzimmer von innen gesehen haben. Damals, zur Zeit des Neuen Testaments, war die Großfamilie eher dem sozialen Raum zugeordnet. Intime Erwartungen kamen da gar nicht so auf, ähnlich wie in Zeiten, als bei uns die Kinder die Eltern noch “siezten”. Heute wäre das Äquivalent eher der Kreis guter Bekannter.

In diesem Sinn kann Gemeinde dann schon “Familie” sein – aber wir hören und assoziieren in der Regel etwas anderes mit und wundern uns dann, dass es uns nicht gelingt, dies in einer Gemeinde mit über 150 Leuten (eine Art natürliche Grenze, wo die Überschaubarkeit ein für allemal endet) zu leben. Vielleicht sollten wir also doch vorsichtig sein mit Begriffen, die solche Erwartungen wecken.

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Nicht zu wörtlich nehmen

David Bosch schreibt unter dem Stichwort “the emergence of a postmodern paradigm” in Transforming Mission: Paradigm Shifts in Theology of Mission folgendes, das mich auch an unsere immer wiederkehrenden Fragen des Bibelverständnisses erinnert (vor allem: wie wörtlich muss man was nehmen und zählt nur das wörtliche Verständnis?). Der Text steckt voller Zitate, ich habe hier auf die vielen Anführungszeichen verzichtet, wer will, kann bei Bosch auf S. 353 selbst nachlesen.

Die zentralen Lehren des traditionellen Christentums, (…) können nur in Form einer Metapher ausgedrückt werden; jeder Versuch, darüber hinaus zu gelangen und die Lehren zu “erklären”, riecht stark nach intellektueller Sterblichkeit. In der Tat wird Götzendienst, wo er in der Bibel verurteilt wird, oft als ‚wörtliche‘ Projektion eines Bildes in die Außenwelt betrachtet, das als poetische Metapher akzeptabel gewesen wäre. (…)
Metapher, Symbol, Ritual, Zeichen und Mythos, lange schlecht geredet von jenen, die sich nur für den “exakten” Ausdruck von Rationalität interessierten, werden heute rehabilitiert; sie schaffen Formen, die die Integration von Denken und Wollen herstellen und hervorrufen; sie berühren nicht nur den Verstand und dessen Konzepte, und rufen gezieltes Handeln hervor, sondern sie bewegen das Herz. Also sehen wir eine Welle des Interesses, vor allem in Kirchen der Dritten Welt, an narrativer Theologie, Theologie als Story und anderen nichtkonzeptionellen Formen des Theologisierens.

Bosch schreibt, diese Ansätze sind weder irrational noch vernunftfeindlich, sie stellen lediglich eine nötige Erweiterung der Vernunft dar, auf die man sich zu lange beschränkt hatte. Leider hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass es (inspirierte – kein Zweifel!) Dichtung und Mythen auch in der Bibel gibt, und dass ein wörtliches Verstehen der falsche Weg ist, um aus diesen Texten klug zu werden. Aber ein sehr “moderner”.

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Außenansichten

Die Zeit schreibt über Evangelikale in den USA anlässlich der Kandidatenkür der Republikaner, wo der Mormone Romney gegen den früheren Baptistenpastor Huckabee (kann man mit diesem Namen Präsident werden??) antritt. (N.B.: Rechtschreibfehler stammen aus dem Original…):

Mormonen glauben immerhin, neben der Bibel, an das Buch Mormon, das dem Sektengründer Joseph Smith vom Engel Moroni eingegeben wurde (ähnlich wie L. Ron Hubbard und „Battlefield Earth“, übrigens Romneys Lieblingsbuch) und sie lehnen die Dreifaltigkeit ab. Dafür glauben Mormonen, dass Gott nahe dem Planeten Kolob wohnt, tragen geheime Unterwäsche, die sie vor dem Bösen schützen soll, und bis vor kurzem kamen Schwarze, nach mormonischen Glauben, nur als Sklaven in den Himmel. (…)

Wer aber glaubt, Mormonen seien besser auf einer Star Trek Convention aufgehoben als im Weißen Haus, kennt die Evangelikaler nicht. Die glauben an die Apokalypse, daran, dass Armageddon unmittelbar bevorsteht und dass der Antichrist bald auf Erden wandelt. Jerry Falwell, ein bekannter Evangelikale, sagte einmal, der Antichrist sei sogar schon da, er sei männlich und jüdisch. Heute vermuten manche Konservative, der Antichrist sei Obama.

Neon beschreibt heute Glauben ohne Kirche in Deutschland, auch interessant zu lesen, weil es keine Seltenheit ist. Hier das Fazit am Schluss:

… ich weiß, auch, wenn ich heute nicht mehr dorthin gehe, gehört sie (d.h. die Kirche) zur Entwicklung meines Glaubens doch dazu. Deswegen bleibe ich auch ihr Mitglied, obgleich ein stilles. Weil ich weiß, was ich ihr zu verdanken habe. Und weil ich nicht ausschließen mag, dass es vielleicht mal eine Zeit geben wird, in der wir wieder besser zusammenpassen.

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Munter drauflos kopiert

Ich habe heute zufällig einen Artikel von mir auf dieser Website aus der Schweiz gefunden. Dabei kenne ich die Leute gar nicht und das Impressum verrät auch nicht, wer sie sind. Dafür enthält es eine Bankverbindung – das ist den Betreibern offenbar wichtiger.Zumindest schlechter Stil, sowas. Ich hab mal freundlich nachgefragt, aber die Antwort lässt noch auf sich warten. Vielleicht sollte ich (wenn Geld schon so eine Rolle spielt, aber es ist eben die Schweiz…) eine Rechnung hinschicken? 🙂

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