David Hart rehabilitiert Anselm von Canterbury gegen den notorischen Vorwurf, seinetwegen dominiere in der westlichen Theologie das Strafleiden Christi und damit verbunden ein zumindest ambivalentes, im Grunde aber gewalttätiges Gottesbild und ein juristisches Verständnis von Rechtfertigung (vgl. die verbreiteten erbaulichen Phrasen wie Blut geflossen, Preis bezahlt, Genüge getan, Zorn besänftigt, Schuld getilgt…). Für Hart stellt sich die Sache anders da:
Christus nimmt die menschliche Geschichte (“human story”) auf und erzählt sie richtig, indem er auf Gottes Aufruf die richtige Antwort gibt; in seinem Leben und Sterben erzählt er die Menschheit neu (“renarrates humanity”) nach ihrem wahren Muster von liebendem Gehorsam, Demut und Nächstenliebe, und zeigt so, dass alle menschlichen Geschichten von Gerechtigkeit, Ehre und Recht Erzählungen von Gewalt, Falschheit und Tod sind; und indem er es zulässt, dass die ganze Menschheit durch seinen Tod innerhalb dieser neu erzählten Geschichte ihren Ort findet, stellt Christus sie wieder her zur Gemeinschaft mit dem Gott unendlicher Liebe, der sie zu seinem Wohlgefallen geschaffen hatte.
The Beauty of the Infinite, S. 371
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