Heute las ich den Kommentar von Oliver Fritsch in der Zeit zum Halbfinale zwischen den Bayern und Real Madrid. Neben vielen guten Beobachtungen habe ich mich gefreut, dass kein Eigenname mit unbestimmtem Artikel im Text erschien. Selbstverständlich ist das schon lange nicht mehr.
Nicht im Sport jedenfalls. Ich weiß nicht, wer mit diesem Unsinn begann, aber er hat sich im Umfeld des Profifußballs durchgesetzt. „Ein“ Lothar Matthäus begann schon früh, über sich selbst in der dritten Person zu reden und dann den unbestimmten Artikel zu verwenden. Dabei soll dieses „ein“ bei Lothar M. natürlich nicht ausdrücken, dass es auch noch andere Menschen mit diesem Namen gibt (für die dieses Aussage dann ja auch gelten müsste), sondern eben nur den einen und einzigartigen – ihn selber: Weltmeister, Weltfußballer, Würdenträger.
Oliver Kahn gehört zu Lothars gelehrigsten Schülern. Immerhin kommentieren sie nun beide gelegentlich im Fernsehen und werfen mit unbestimmten Artikeln nur so um sich. So weit ich sehe, hat selbst Pep Guardiola zwar zwei Marios im Kader, kann aber nur einen Mandzukic und einen Götze auf dem Platz schicken, und das jeweilige Original spielt dann, nicht eine von mehreren Kopien.
Oder habe ich das missverstanden? Wissen Kahn und Matthäus mehr als wir? Spielt tatsächlich nur ein Klon? Hat die Sportmedizin im Schatten der Dopingdebatten längst den nächsten Quantensprung gemacht und multipliziert wichtige Leistungsträger? Liegt das Original vielleicht irgendwo an einem Strand in der Karibik, nachdem es seine Gene an den Verein lizensiert hat?
Jemand sollte dieser Frage einmal nachgehen. Vielleicht findet ein Oliver Fritsch die Antwort.
PS – Fest etabliert ist das „ein“ freilich bei dieser Fußballikone:

