Gestern haben wir mit unseren beiden Dreizehnjährigen den überlangen Fluch der Karibik 3 angesehen und ich bin immer noch dabei, den Film zu dechiffrieren. Jack Sparrow (ohne den, das wissen die hinterbliebenen Piraten natürlich, nichts geht) wird aus dem Nirvana (es geht kein Wind…) beziehungsweise der surrealen Hölle (er ist allein mit den Spiegelbildern seiner selbst) oder der Unterwelt (sie liegt wirklich unten und man muss über den Rand der Welt, um hinzukommen) gerettet. Eigentlich gar kein Kinderfilm, weil die zwar die Komik, aber nicht die Ironie verstehen können.
Leute mit normalem Gedächtnis werden sich ärgern, dass sie vorangegangenen Episoden nicht noch einmal angesehen haben, die selbstverständlich als bekannt vorausgesetzt werden und keine Zeit mit langatmigen Erklärungen vergeudet wird. Der Feind ist aber weder der Tod noch der Fluch, sondern die geldgierigen Engländer – uniformierter Prototyp des globalen Kapitalismus. Das Gegenbild ist der autonome, polyethnische Piratenverband, angeführt vom archetypischen Hippie Johnny Depp, der eigentlich lieber ein paar Mädels sein Schiff zeigt als tatsächlich zu kämpfen. Das Ende ist optisch und choreografisch spektakulär, aber im Grunde belanglos. Die Armada des Kapitals flieht und der Mythos lebt ewig weiter, nur mit ein paar vertauschten Rollen: Orlando Bloom segelt (wie schon am Ende des Herrn der Ringe) unsterblich übers Meer, aber mit einem Herzen voller Sehnsucht, daher darf er auch alle 10 Jahre mal einen Tag an Land.
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Ach ja: Keith Richards haben sie hineingeschmuggelt unter all die Untoten und Karnevalsgesichter. Er darf sogar Gitarre spielen. Was das nur zu bedeuten hat?
Am Ende behält der Kommentator der Welt aber vielleicht doch Recht, wenn er verschiedene Film-Trilogien vergleicht und dann bemerkt:
Homer wusste schon, warum er nach der “Ilias” und der “Odyssee” keinen dritten Teil schrieb. “Odysseus Revolutions – The Telemach-Story” wäre kein gutes Werk geworden.