Warum ich nicht ans Aufhören denke

Wolfgang Michal schreibt bei Der Freitag über die Krise der Blogger. Durch Facebook & Co ist es stiller geworden in der Blogosphäre, man kann sich schützen und muss keine ganz öffentliche Debatte führen oder sich mit grenzwertigen Kommentaren abmühen. Man exponiert sich weniger:

Auf Facebook oder Google+ ist es auch nicht nötig, eine eigene Form oder einen eigenen Stil zu finden, denn alles ist vorgegeben. Die Einstiegs-Hürden und Anforderungen sind niedrig. Das kommt den Couch-Potatoes des Internets in ihrem Neobiedermeier entgegen. Ein Blog gleicht eher einer zugigen Haltestelle als einer Wohlfühlnische.

Blogs zeichnen sich aus durch „persönliche Färbung, Offenheit, Mut und die Bereitschaft zum Konflikt“. Ich finde es extrem schade, dass viele heute so still geworden sind, die vor ein paar Jahren noch mutig und munter Stellung bezogen haben. Manche Freunde hätte ich anders nie kennengelernt. Die herzliche Abneigung mancher wäre mir auch verborgen geblieben. Unterm Strich aber zählen die Freunde mehr.

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Ausgeschwiegen

Ich hatte das Thema der Märtyrer im Zusammenhang von Offenbarung 12-13 kürzlich erwähnt. Insofern (und aufgrund anderer Berichte) war ich schon sensibilisiert, als Jörg Lau bei Zeit Online über „Die letzten Jünger“ bloggte. Seinen Beitrag über die Not der traditionellen Kirchen des Nahen Ostens fand ich schon großartig, weil er eine selten gute Mischung von innerem Engagement und unaufgeregter Sprache enthält, wenn er die Geschichten aus Ägypten, dem Irak oder Palästina erzählt – bei dem Thema werden die Töne ja oft schrill.

Sie wurden es dann auch, und hier antwortet Lau wütenden Kritikern, die ihm beispielsweise „ideologischen Hass und Kriegstreiberei“ vorwarfen. Auch das ist wieder lesenswert. Nicht jeder, der Christenverfolgung thematisiert, ist auf der Suche nach Vorwänden für Kriege und Interventionen.

Heute dann entdeckte ich diesen Bericht auf Spiegel Online, wo der Christenverfolgungsindex von Open Doors ganz sachlich aufgegriffen wurde, auch das ja keine Selbstverständlichkeit. Ganz oben auf der Liste steht Nordkorea. Da ist derzeit ja von einer Öffnung des Landes die Rede. Das scheint bislang aber nur für die Wirtschaft zu gelten. Dass eines das andere nicht notwendig einschließt, zeigt die Nummer zwei auf der Liste: Saudi Arabien.

Aber gut, dass es eine neue Offenheit für diese Themen in unseren Medien gibt. Und wenn Verschweigen und Vergessen keine Option mehr sind, vielleicht rücken eines Tages auch Lösungen näher.

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Auf die Schrippe nehmen

Nach ein paar Tagen medialem Schrippenkrieg stellt sich mir die Frage: Muss ich mich jetzt auch aufregen, weil beim Bäcker jemand Brötchen statt Semmeln kauft? Und wäre „Semmeln“ nicht zu bayerisch, müsste man also doch bitteschön auf „Weggla“ bestehen und den Brötchenkunden oder Schrippenkäufer im Laden so lange zappeln lassen, bis er die richtigen Worte findet?

Liebe Berliner, von denen nicht gerade wenige in den letzten Jahrzehnten nach Erlangen oder München gezogen sind: Willkommen in unserer Welt! Unsere Städte bestehen schon seit Jahrzehnten hauptsächlich aus Zugereisten, die ihre Sprachgewohnheiten ungefragt mitbringen und verbreiten. Wir leben eigentlich ganz gut damit, als Eingeborene in der Minderheit zu sein. In München etwa spricht noch ein Prozent der jungen Leute Dialekt, hieß es vor zwei Jahren. In Erlangen dürfte sich die Mundartkompetenz entsprechend im Promillebereich bewegen.

Aber vielleicht braucht es ja ein paar Schwaben, um aus der Berliner Seele den Spießer hervorzulocken, den dort niemand vermutet hätte – schon gar nicht die Berliner selbst. Nehmt Euch doch mal wieder selbst auf die Schrippe! Oder tut Euch mit den Schweizern zusammen, die sind Euch in Sachen Schwabenpolemik ein Stück voraus und freuen sich über unerwartete Schützenhilfe.

Freilich hat die östliche Schweiz im Mittelalter lange zum Herzogtum Schwaben gehört und die preußischen Könige und Erbauer des modernen Berlin sind Hohenzollern. Deren Stammsitz steht …im tiefsten Schwaben.

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Ausgefragt

Christian Döring hat schon vor ein paar Tagen auf seinem Blog ein kleines Interview mit mir über „Von der Ausgrenzung zur Umarmung“ veröffentlicht. Wer sich dafür interessiert – hier klicken.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Wer hat das Fragezeichen erfunden?

Hier steht die Antwort.

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„Nur die Fakten, bitte…“

… las ich auf einer Website, die sich mit christlicher Mission in Osteuropa beschäftigte. Was dann folgte, waren aber keineswegs Fakten, sondern Meinungen, und zwar recht fragwürdige noch dazu. Angeblich gebe es unter 300 Millionen Osteuropäern nur eine Million Jesusnachfolger. Ich habe keine Ahnung und konnte dem Text auch nicht entnehmen, wie diese Zahl denn ermittelt wurde, außer dass sie aus der „World Christian Encyclopedia“ stammen soll. Immerhin sind 87% der Polen nominell katholisch und 60-80% der Russen bezeichnen sich selbst als Orthodoxe Christen. Selbst wenn da auch Halbherzige, Mitläufer und Opportunisten mitgezählt werden – sollten nicht deutlich mehr ernsthafte „Jesusnachfolger“ darunter sein?

Mein Verdacht ist daher, dass Katholiken und Orthodoxe bei solchen Erhebungen kategorisch ausgeblendet werden. Was die Frage aufwirft, ob das Wort Encyclopedia in diesem Falle von „Zyklop“ abgeleitet ist, den sagenhaften einäugigen Riesen, die deshalb eine recht eindimensionale Weltsicht hatten. So oder so – das Ganze ist wieder ein Beleg dafür, dass man ganz besonders kritisch hinschauen muss, wenn jemand behauptet, „Fakten“ zu nennen. Allzu oft sind die vermeintlichen „Fakten“ nur verabsolutierte Meinungen und Vorurteile.

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Eindringliche Mahnung

Kürzlich habe ich wieder mal eine dieser vertrauten Geschichten gehört: In einer Gruppe, die eine gravierenden Konflikt durchlebt, meldet sich jemand mit einem „Eindruck“ bzw. „Bild“ (das ist charismatischer Code für „Reden Gottes“) zu Wort, das die eigene Position von aller Kritik ausnimmt und den anderen einseitig die Schuld anlastet. Ein dreister oder vielleicht auch verzweifelter Versuch der Manipulation, eine Vereinnahmung Gottes zum Zweck der Selbstrechtfertigung.

Ich merke, dass ich für solche Manöver überhaupt gar kein Verständnis habe. Vielleicht war ja die Drohung aus Deuteronomium 18,20 gar nicht so falsch? Da heißt es ganz rabiat:

Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe […], ein solcher Prophet soll sterben.

Niemand würde das heute noch wörtlich verstehen. Es geht weder um Blasphemiegesetze noch um Inquisitionsprozesse, eher schon um die fehlende „Furcht Gottes“. Aber die scharfe Warnung hilft vielleicht, das Problembewusstsein etwas zu steigern: Erst mal sein Testament zu machen, bevor man allzu flott unter Berufung auf göttliche Inspiration den Mund öffnet, also bei letzterem wenigstens ebenso viel kritische Sorgfalt walten zu lassen wie bei ersterem, das kann allen Beteiligen doch nur gut tun. Und wenn der „Prophet“ das nicht selbst kann, müssen es eben seine Hörer tun, und ihm eine deutliche Rückmeldung seiner Grenzverletzungen verpassen.

Gestern wurde Hildegard von Bingen von Papst Benedikt XVI zur Lehrerin der Kirche erhoben. Sie wird als prophetische Gestalt geschildert, die ein ganzes Zeitalter geprägt hat. Ihr wird die folgende Weisheit zugeschrieben:

Nicht mit Drohworten sollst du auf deine Untergebenen einschlagen wie mit einer Keule. Mische vielmehr die Worte der Gerechtigkeit mit Barmherzigkeit und salbe die Menschen mit Gottesfurcht.

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Korea (9): Die weibliche Perspektive

Der letzte Beitrag am Montag: Abschließend spricht Dr. Min Jung Kim, sie ist Pastorin, leitet das Good Ministry Institute und Gastdozentin am Fuller Seminary und arbeitet als „Chaplain“ (gibt’s dafür einen deutschen Begriff?) von MCM, deren koreanischer Zweig auch von einer Frau geführt wird. Pastorinnen dürfen in Korea, wenn sie überhaupt ordiniert werden, weder Beerdigungen noch Abendmahlsgottesdienste halten, sagt sie. Oft sind sie für die männlichen Kollegen eine Art Sekretärin oder sie kümmern sich um den Kindergottesdienst.

DSC06018Trotz Promotion wurde sie selbst alles andere als freudig begrüßt in ihrer Denomination, daher auch die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten in Gemeinde, Studium und Forschung und Wirtschaftsleben. Ihr Fachwissen zum Thema Integration neuer Gemeindeglieder in den Kirchen eignete sie sich an, weil sie keine Gelegenheit zur öffentlichen Wortverkündigung bekam.

Frauen in irgendwelchen Führungspositionen – in der „säkularen“ Welt keine Seltenheit – tauchen in den Gemeinden gar nicht auf, sagt sie. Weil sie nicht predigen durfte, schrieb sie Bücher und hielt Fortbildungen für Pastoren. Sie betrachtet sich als Wegbereiterin für ihre zukünftigen Kolleginnen: Kürzlich durfte sie die Beerdigung des ehemaligen Chefs von Hyundai halten.

Sie wirkt entschlossen und kämpferisch, glaubt aber nicht an einen schnellen Erfolg, in Korea ändert sich das wohl erst, wenn Jesus wiederkommt, sagt sie. Immer mehr Frauen studieren Theologie, aber sie kommen in den Gemeinden nicht zum Zug. Als „Firmenpfarrerin“ bei MCM/Sungjoo predigt sie nun bis zu sieben Mal in der Woche.

Und da kommt auch schon die Frage, die mir auf der Zunge lag: Müssen die Gemeinden, in denen Frauen leiten und predigen dürfen also erst noch gegründet werden? Das sei sehr schwierig, sagt Dr. Min Jung Kim. Hier werden neue Gemeinden in der Regel durch Ausgliederung von Gruppen aus großen Muttergemeinden gegründet. Selbst da scheitern viele Gründungsprojekte. Die Verbände stellen keine Mittel bereit, eine Frau stünde also völlig allein, wenn sie das täte.

Am Erbe der US-Missionare kritisiert sie den evangelikalen Heilsindividualismus. Nicht das Versagen der Leiter, sondern die Selbstbezogenheit der Christen und Gemeinden insgesamt hat den Bedeutungsverlust ausgelöst – hier widerspricht sie ihren Vorrednern also. Wenn die sozialen Aspekte des Evangeliums nicht wieder entdeckt werden, lässt sich das miese Image auch nicht mehr umkehren.

Unter den PioniermissionarInnen hier war auch eine Offizierin (geht das auf Deutsch?) der Heilsarmee aus Südafrika. Das wäre doch eine lokale Tradition, an die sich anknüpfen ließe…

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Chefsache

In diesen Tagen war zu lesen, dass der Ministerpräsident das Gymnasium zur „Chefsache“ erklärt hat. Da muss einem Angst und bange werden. Das letzte Mal nämlich, als Bildungspolitik zur Chefsache wurde, bekamen wir das G8. Ich frage mich ja manchmal: hätte es am Ende sogar funktionieren können, wenn man einfach die Kollegen nördlich der Staatsgrenzen, in Thüringen und Sachsen, gründlich interviewt und deren Know How übernommen hätte?

Aber Chefs erfinden das Rad neu und beweisen damit fatale Tatkraft.

Kein gutes Omen also, wenn wieder ein Regent ohne große Erfahrung in der Bildungspolitik die Sache an sich reißt. Es bedeutet nur, dass ein Jahr vor der nächsten Wahl das Thema den Interessen der Partei unterworfen wird, nicht etwa dem der Schüler, Eltern und Lehrer. Die Eltern haben das kapiert, inzwischen boomen die Realschulen und in ein paar Jahren können FOS und BOS anbauen und Lehrkräfte einstellen.

Bis irgendwann meine Enkel in die Schule kommen, ist es dann hoffentlich keine Chefsache mehr. Und hoffentlich auch nicht mehr derselbe Chef.

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Werktagsreden

Das Thema Integration hat mich die letzten beiden Tage intensiv beschäftigt. Gestern vormittag hörte ich Prof. Heiner Bielefeldt auf einer Veranstaltung im Rathaus über die Menschenrechte und deren Bedeutung für Integration in Europa reden, am Abend folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Menschlichkeit im Rechtsstaat“, die von beiden großen Kirchen ausgerichtet wurde.

Leider war sie eher spärlich besucht, etwas 50-60 Leute hatten sich in der Markuskirche eingefunden. Eine Vertreterin der Stadt Erlangen, eine Beamtin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, der frühere Vorsitzende des Erlanger Ausländer- und Integrationsbeirats, ein Vertreter des bayerischen Flüchtlingsrates.

Es begann etwas zäh. Die Menschenrechte als das verbindende Element von Menschlichkeit hätten der Debatte gut getan. So wiesen die Vertreterinnen der Behörden auf die geltende Rechtslage, nicht ohne sie kräftig schönzufärben als „in Recht gegossene Menschlichkeit“ – gemeint war das Grundrecht auf Asyl, das seit 1993 durch zahlreiche Bestimmungen eingeschränkt und ausgehebelt wird. Und freilich erscheint in dieser obrigkeitlichen Logik jeder, der – mit welcher Motivation auch immer – das Gesetz missachtet, als Vorbote von Anarchie und Chaos, die sattsam bekannte Dammbruch-Logik. Entsprechend entrüstet wurde auch die Kritik an konkreten Entscheidungen einzelner Beamtinnen zurückgewiesen.

Umgekehrt standen dann nur spärlich abgemilderte Vorwürfe sturen Kadavergehorsams im Raum. Erst mühsam entspann sich unter (zum Teil etwas weitschweifigen) Wortbeiträgen der rote Faden eines Konsenses, der die Politiker (insbesondere die aktuelle Regierungskoalition in München und Berlin) und deren bis zur Unmenschlichkeit restriktive Gesetzgebung als die eigentliche Ursache des Problems ausmachten, und am Ende konnte man zwischen den Zeilen auch bei den beiden Vertreterinnen der Behörden Kritik an der Rechtslage vernehmen und die damit verbundene Einsicht, dass geltendes Recht nicht immer gutes Recht im Sinne der Mitmenschlichkeit ist. Die aber, daran ließen die beiden Dekane keinen Zweifel, ist für Christen noch wichtiger als der Gehorsam gegenüber dem Rechtsstaat. Und so kam auch Kirchenasyl als letztes Mittel wieder ins Gespräch.

Die Hauptaufgabe bleibt jedoch die öffentliche Meinungsbildung. Am Vormittag hatte Prof. Bielefeld noch erläutert, das beste Mittel gegen diskriminierende Hate Speech sei more speech. Den Scharfmachern dürfen wir nicht das Feld überlassen. Ich habe hier in jüngster Zeit viel über das Schweigen gepostet, aber natürlich gilt auch hier: Alles hat seine Zeit und seinen Ort.

2013 wird gewählt – in Bayern und im Bund. Nur wenn unsere Innenminister und deren schwarze Parteifreunde an den Stammtischen nicht mehr billig punkten können, indem sie den harten Hund gegen Fremde herauskehren, wird der Weg frei für eine Neufassung des verstümmelten Asylrechts und zu Gesetzen, die Integration ernsthaft fördern und den Fremden nicht als Menschen zweiter Klasse behandeln.

Wir brauchen keine Sonntagsreden, sondern Werktagsreden, in denen möglichst viele möglichst klar Position beziehen zugunsten von mehr Mitmenschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen und Fremden. An diesem Gespräch können wir uns alle ab sofort ganz offensiv beteiligen!

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Wer seine „Nische“ nicht findet…

… ist vielleicht nicht am falschen Platz, sondern einfach nur ein Generalist: Jemand, der nicht die eine Sache ganz besonders gut kann, sondern der viele unterschiedliche Dinge kann und gern tut. Dem es schwer fallen würde, sich auf eines davon dauerhaft festzulegen, weil er meistens mehrere Bälle in der Luft hat. Jemand, der Monotonie scheut und die Vielfalt liebt.

Für jemand, der ein breites Profil hat, wird es nie passgenaue Lücken geben, keine maßgeschneiderten Stellenbeschreibungen. Er braucht ein weites Feld, auf dem er sich bewegen kann. In einer Welt der überwachten Planquadrate ist der Generalist immer am falschen Platz, immer etwas zu sperrig. In der Welt der Spezialisten wirkt der Generalist oft deplatziert, unzureichend angepasst, schwer vermittelbar. Einen sorgsam eingefriedeten „Platz“ wird er nie haben.

Aber in einer Welt, deren Existenz durch das Scheuklappenwesen und Fachidiotentum (Disclaimer: nicht jeder Spezialist ist ein Fachidiot, aber ein Generalist kann per Definitionen eben kaum zum Fachidioten werden) bedroht ist, weil niemand mehr das Detailwissen zu einem großen Bild zusammensetzen kann, weil wir zwar fast alles über jeden Baum wissen, aber uns jedes Verständnis von Wald abhanden gekommen ist, ist oder wird er vielleicht wichtiger, als viele denken?

Ich fühle mich nicht nur selbst als Generalist, sondern ich kenne auch noch eine Reihe anderer. Und das irritierende Gefühl, oft keine Nische zu haben oder zu finden, verbindet uns. Oder die nicht ganz unberechtigte Sorge, sich mit all den vielen Dingen zu verzetteln, ein viel zu unscharfes Profil in die Umgebung auszustrahlen. Stattdessen könnte es sich lohnen, mal auf die Chancen zu blicken, selber aktiv zu werden und nicht darauf zu warten, dass uns massgeschneiderte Jobs angeboten werden.

Kürzlich habe ich den Satz gelesen: Der Mensch ist ein Generalist. er kann alles, aber nichts gut. Das ist aus der Perspektive des Zoologen geschrieben. Aber ich freue mich immer, wenn ich glückliche Generalisten treffe. Da wird tatsächlich eine Qualität des Menschseins sichtbar, die man nicht überall antrifft.

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Lazarus 2012

Gestern kam das Gespräch auf Nahtod-Erfahrungen. Menschen, die welche hatten, werden ja gern untersucht, befragt und herumgereicht, um davon zu erzählen. Ich selber bin eher Skeptiker, was die Aussagekraft solcher Berichte angeht. Meine Theorie ist, dass was immer da passiert ist und sich vermutlich ja auch fragmentarisch in der Erinnerung zeigt, nach dem Ereignis vom Bewusstsein des Betreffenden sortiert und interpretiert wurde, und zwar anhand von Kategorien und Vorstellungen, die schon längst da waren, zum Beispiel auch religiösen. Der überarbeitete „Clip“ überschreibt dann das ursprüngliche Erlebnis, weil wir eben nur interpretierte Erfahrungen behalten. Was „wirklich“ war, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Würde Jesus Lazarus heute auferwecken, dann sähe sich dieser in den Wochen und Monaten danach nicht nur neugierigen Fragen seiner Nachbarn und Verwandten ausgesetzt, wie es denn „im Himmel“ gewesen sei. Er würde möglicherweise auch psychologischen Tests unterzogen; ein christlicher Verlag würde anklopfen, ob man ein Buchprojekt machen könne und anschließend eine Vortragstournee. Lokale Fernsehsender würden um ein Interview bitten und in den christlichen Medien müsste Lazarus, flankiert von Experten, sein Erlebnis schildern und analysieren lassen.

Wie anders dagegen die Geschichte in Johannes 11. Da sagt Jesus: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen“ (11,44). Das ist alles. Seine Erlebnisse darf er für sich behalten. Niemand versucht, die Decke zum Jenseits an einem Zipfel anzuheben und zu sehen, was drunter war. Ist doch interessant…

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Cooler Song

Ich weiß, Kontext ist alles, aber die erste Zeile dieses Liedes ließ erst einmal ganz ungewohnte Bilder in meinem Kopf ablaufen:

Komm, brich ein durch das Eis

Vielleicht klingt es im Sommer weniger riskant. Wobei, noch etwas weiter assoziiert, Gott als „Einbrecher“ ja schon wieder ein eminent biblisches Motiv wäre 🙂

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Auf Abrahams Spuren

William Ury ist Anthropologe und Experte in Sachen Frieden und Versöhnung. In diesem TED-Video beschreibt er neben ein paar wichtigen Grundsätzen zur Konfliktbewältigung vor allem ein konkretes Projekt: The Abraham Path, eine Art Pilgerreise auf Abrahams Spuren, bei der sich Menschen verschiedener Ethnien und Religionen begegnen, Gastfreundschaft erfahren und Seite an Seite gehen.

Der syrische Teil der Route dürfte momentan nicht zugänglich sein, aber es bleiben ja noch viele andere Abschnitte auf der Route von Ur nach Be’er Sheva.

William Ury on TED from Ting Wu on Vimeo.

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