Schöpfung – in eigenen, einfachen Worten

Am ersten Oktober ist Erntedank. Ich habe für den Familiengottesdienst eine kleine, freie Nacherzählung zur ersten Schöpfungsgeschichte geschrieben, in der es um die Themen Vielfalt und Schönheit geht. Statt im Imperfekt steht alles im Präsens und Perfekt. Ich fand – finde! – das ganz angemessen. Vielleicht inspiriert sie auch einige von euch…

Am Anfang hat Gott den Himmel und die Erde gemacht. Dazu hat er erst einmal Licht gebraucht. Deswegen gibt es bei uns Tag und Nacht: Mal ist es hell, und mal dunkel. Gott hat der Erde dazu einen kleinen Schubs gegeben. Nun dreht sie sich wie ein großer Kreisel.

Auf der Erde hat Gott dem Meer seinen Platz gegeben und dem Land. Auf dem Land lässt er Kräuter, Blumen und Bäume wachsen. Ganz viele verschiedene: Brennnesseln und Basilikum, Zitronengras und Zuckerrohr, Kartoffeln und Kapuzinerkresse, Mohnblumen und Meerrettich, Weizen und Walnüsse, Hagebutten und Himbeeren, Bananen und Birnen.

luke-michael-27050.jpg

Luke Michael

Damit nicht alle Tage gleich sind, hat Gott die Jahreszeiten geschaffen. Die Tage werden zum Sommer hin länger, zum Winter kürzer. Und den Mond, der ab- und zunimmt, und wieder ab, und wieder zu. Sterne, die man nur im Winter sieht, und manche, die sich erst im Sommer zeigen. Und dann hat er, quer über den Himmel, die Milchstraße gebaut.

Weil die Pflanzen alle still stehen, hat Gott Tiere gemacht. Manche schwimmen im Wasser, andere fliegen am Himmel und nochmal andere krabbeln und laufen über das Land. Viele Arten von Tieren. Tiere in allen möglichen Farben. Ganz winzige Tiere und riesig große Tiere. Mehr Tiere, als der Tiergarten hat. Mehr Tiere, als deine Tierbücher fassen. Sie dürfen von den Pflanzen fressen, sie düngen, dürfen Blüten bestäuben, und Samen für neue Pflanzen vergraben und ausstreuen dürfen sie auch. So helfen sie Gott.

Die Früchte sind die Nahrung für die Menschen: Obst und Gemüse, je nach Jahreszeit mehr vom einen oder mehr vom anderen. Die Menschen hat Gott geschaffen, damit er ein Gegenüber hat: Jemand, der sich mit ihm freut darüber, wie bunt diese Welt ist. Jemand, der gerne Neues entdeckt und die Abwechslung liebt. Jemand, der es genießen kann, wenn die Sonne den Abendhimmel orange färbt und der aus Orangen Saft macht, oder Marmelade, oder Obstsalat. Jemand, der findet, sauer macht lustig. Und jemand, der sich kümmert um all die Tiere, die Pflanzen, die Luft und das Wasser.

Jemand wie dich.

Denn dich hat Gott auch gemacht. Du bist etwas ganz Besonderes. Schau dich mal an. Dich gibts nur ein einziges Mal.

Share

Schottisches Tagebuch (3): Urwald und unerwünschte Einwanderer

Wir wundern uns über großflächige Abholzungen im Cairngorm-Nationalpark. Im Besucherzentrum erklärt uns eine Mitarbeiterin von den Park Rangers, dass man dort Bäume entfernt, die in dieser Region ursprünglich nicht heimisch waren. Dann kann sich der kaledonische Urwald aus dem Rothiemurchus Forest allmählich wieder ausbreiten, der hier früher einmal alles bedeckte.

BestOfScots-10.jpg

Mich beschäftigt beim Weitergehen, dass derzeit einige politische Bewegungen ihre Ideen offenbar aus der Forstwirtschaft borgen. Deutschland (oder Brexit-England) wollen sie unter so etwas wie Artenschutz stellen. Alle Fremdgewächse gilt es fern zu halten oder wieder zu entfernen. Und wer die Grenzen offen halten möchte, wird beschuldigt, damit das fragile Biotop zu gefährden. Meistens wird als Motiv für eine Öffnung Profitgier vermutet – schließlich mussten auch unsere heimischen Laubwälder schneller wachsenden Nadelhölzern weichen, aus denen wir Möbel und Papier machen.

Aus drei Gründen sind diese Bewegungen schief gewickelt:

Erstens sind Menschen sind keine Bäume. Sie können sich frei bewegen und haben das immer getan. Staatsgrenzen sind ein verhältnismäßig junges Phänomen und wer weiß, wie lange sie noch funktionieren. Vor allem aber haben Menschen nicht das Recht, andere Menschen zu verpflanzen.

Wir sind – zweitens – alle Hybride, genetisch wie kulturell. Und wie armselig wäre es um uns bestellt, wenn es anders wäre. Schön ausgeführt hat das Miroslav Volf – ich habe es hier schon einmal zitiert. Wer Deutschland abschotten will, der darf sich nicht wundern, wenn sich in ein paar Jahren Bayern, Sachsen, Saarländer oder Ostfriesen von den anderen teutonischen Stämmen separieren. Mit denselben Argumenten, die jetzt gegen alles Fremdländische vorgebracht werden.

Drittens sind Monokulturen einfach ungesund. Sie sind ja auch ein Problem für nachhaltige Forstwirtschaft. In unseren Breiten wird der seit dem frühen 19. Jahrhundert angelegte Bestand an Fichten und Kiefern kräftig reduziert, weil er vom Klimawandel akut bedroht ist. Der Wald (er ist ja durchweg Nutzwald) muss sich verändern, wenn er überleben will. Wenn wir schon aus der Forstwirtschaft etwas für unsere Gesellschaft lernen, dann vielleicht das: bunter ist besser.

Share