Ich kuriere meinen Kirchentagshusten und lese Berichte über die zurückliegenden Tage – diesen etwa: Der Würzburger Bischof Hofmann kritisiert seinen Bamberger Kollegen Schick. Der konnte sich die Lockerung des Pflichtzölibats für Priester vorstellen und hat damit die Mehrheit der Gläubigen auf seiner Seite. Hofmann versucht nun den Konter mit dem folgendem, bestens bekannten Mantra selbstisolierender Hierarchien:
«Aber es kann nicht darauf hinauslaufen, dass Mehrheitsentscheidungen die Frage der Wahrheit beantworten.»
Mir ist noch nicht ganz klar, welche „Wahrheit“ in diesem Fall unter die Räder kommen sollte: Verheiratete Apostel in der Bibel? Der eklatante Priestermangel in unseren Breiten? Das problematische Image der Katholischen Kirche in der Öffentlichkeit? Die individuellen Tragödien, die diese mittelalterliche Regelung verursacht hat?
Es ist wohl – nicht nur unter Katholiken – ein konservativer Reflex, immer das Relativismusgespenst an die Wand zu malen. Am Freitag abend saß ich in der überfüllten Halle B1 und hörte den aufmüpfigen Alten Küng und Moltmann zu. Die warteten nicht mit neuen Thesen auf, machten aber noch einmal engagiert deutlich, dass man das Rad nicht zurückdrehen kann und viele Reformen von der kirchlichen Hierarchie und dem bürokratischen Apparat schon seit Jahrzehnten verschleppt und torpediert werden.
So demütig die Bereitschaft klingt, sich als Minderheitenkirche in einer pluralistischen Gesellschaft einzurichten, so mulmig ist mir bei dem Gefühl, das könne vor allem dem Bedürfnis geschuldet sein, nichts ändern zu müssen.

