„Ungläubige Pfarrer“

Alan Roxburgh wurde am letzten Wochenende auf „ungläubige Pfarrer“ angesprochen und war etwas verwundert, als Kanadier und Anglikaner kennt er das gar nicht. Wir haben uns eine Weile über das Thema unterhalten. Ich denke, dass es das – wenn überhaupt – nur ganz selten gibt. Ich kenne jedenfalls keinen.

Mag sein, dass das vor ein, zwei Generationen noch anders war, als eine Karriere in der Kirche wenn schon nicht viel Geld, so doch gesellschaftliches Ansehen und Einfluss zu versprechen schien. Ich erinnere mich auch noch daran, dass die pietistischen Studenten die Tübinger Theologieprofessoren immer in „gläubig“ und „ungläubig“ einteilen wollten. Eberhard Jüngel etwa war zu Recht ziemlich empört über diese Form der Inquisition. In der Regel suchte man nach Hinweisen, ob ein Dozent zur „Allversöhnung“ tendiert, das war der definitive theologische Sündenfall, die Auflösung aller Werte. Ach ja, Bultmann war natürlich auch „pfui“.

Heute ist das zum Glück weitgehend Geschichte. Natürlich gibt es eine große Bandbreite an theologischen Prägungen, aber das macht es ja auch reizvoll. Natürlich sind skurrile Meinungen, alle möglichen Irrtümer in Detailfragen und schräge Typen darunter. Manche sind unsicher oder kontrollwütig und schützen dann theologische Gründe vor, wenn sie andere einfach nur loswerden wollen. Und ab und zu erleben Pfarrer, wie andere auch, kleine und große Glaubenskrisen.

Wenn man unter diesen Macken leidet, kann man über diese Dinge nicht immer milde lächeln. Streiten wir also freundlich und bestimmt überall da, wo es nötig ist. Aber lassen wir dem anderen im Zweifelsfall doch dies, dass auch er glaubt und ernsthaft Jesus nachfolgt.

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