AUFgesplittert

Kleine Ereignisse werfen ihre Schatten hinterher: Kürzlich erfuhr ich von der Gründung der AUF-Partei. Das ganze liegt schon Monate zurück, aber die Schockwellen brauchten ihre Zeit bis nach Erlangen.

Bisherige politische Schwergewichte wie PBC und Zentrum reagierten pikiert. Die Initiatoren versprechen dagegen die geistig-moralische Wende, ohne konzeptionelle Neuigkeiten zu bieten.

(PS: Die Zeitschrift Aufatmen ist unschuldig)

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Kellergeister

Gestern saß ich mit Freunden zusammen und wir sprachen über eine Familie im Bekanntenkreis, die wir alle etwas wunderlich fanden. Wo wir bisher geschmunzelt oder auch den Kopf geschüttelt hatten, war der kurze Gedankenaustausch diesmal ungewohnt ernst und besorgt.

Wenn man den ganzen Tag die Geschichten aus Amstetten hört, wird man irgendwie sensibler. Ratlos waren wir trotzdem – sehen wir unter dem Eindruck der schlimmen Berichte plötzlich Gespenster? Wenn man keine klaren Anzeichen hat, dass etwas gravierend schief läuft, ist die Hemmschwelle doch hoch, sich einzumischen. Also: Kontakt halten und wach bleiben…

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Projektionen: Der Teufel an der Wand

Die genauen Zusammenhänge konnte ich nicht ergründen, aber unsere ELIA Website war irgendwie beim mir bisher unbekannten Henry Institute der Southern Baptists verlinkt. Und als ich dort hineinklickte, lächelte mich Brian McLaren an. Der Text neben seinem Bild war aber eher traurig: Der Autor erinnerte sich an eine Gesprächsrunde in Willow Creek, wo eine Frau die Frage aufwarf, warum Gott die Schlange ins Paradies gelassen habe, wenn er doch schon wusste, was geschehen würde.

Dann lässt er sich in der üblichen Art kritisch in Richtung McLaren aus und fragt am Ende, warum Willow ihn wohl eingeladen habe, wenn man doch wisse, was er für schreckliche Dinge (d.h. ein angeblich soziales Evangelium ohne Himmel und vor allem Hölle) verbreite. Er hatte allerdings die erste Frage nicht richtig beantwortet. Daher ließ er die zweite offen. Er wollte ja gar keine Antwort, es ging nur darum, Brian den Schwefelgeruch zu verpassen.

Diese schlecht getarnte Forderung nach Zensur (und zwar einer Zensur, die Gott, wenn man denn ihn schon ins Spiel bringen will, offenbar nicht für nötig hielt) wiederum hat mich an Jesu Streit mit den Pharisäern erinnert, die ja auch keine Gelegenheit ausließen, ihn mit dem Teufel in Verbindung zu bringen. Aber wer den Teufel so bereitwillig an die Wand malt, riskiert immer die Frage, woher diese Projektion wohl kommt.

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Die Macht der Netze

Wie spannend Sozialforschung sein kann, zeigt ein Artikel des Spiegel: Übergewicht, Depressionen oder Alkoholismus verbreiten sich über Beziehungsnetze, irgendwie ja auch passend zum 15. Geburtstag des Internets:

„Soziale Netze haben die Fähigkeit zu verstärken, was in ihnen ausgesät wird“, sagt der Soziologe. Oft ist für einen Übersprung von Mensch zu Mensch ein direkter Kontakt gar nicht vonnöten. „Es genügt, dass der Freund meines Freundes dick wird“, erklärt Christakis. „Auch wenn ich gar keinen Umgang mit ihm habe – ich registriere, dass meine Freunde ihn seiner Fettsucht wegen nicht missachten. Und dieser Umstand verändert mein soziales Netz.“

Die Forscher stießen immer wieder auf Überträger, die selbst nicht dick wurden, nicht tranken oder dem Trübsinn verfielen – und doch verbreiteten sie die jeweiligen Verhaltensmuster. Ein Netz ist eben mehr als die Summe seiner Einzelbeziehungen.

Die Autoren vermuten, dass sich Religionen ähnlich verbreiteten. Einerseits mag das für viele nichts Neues sein. Wichtig aber ist die Bedeutung, die hier den etwas oberflächlicheren Bekanntschaften (statt den ganz engen Freundschaften oder der Intimität der Kernfamilie) zugemessen wird. Wenn man die wenigen ganz tiefen Beziehungen weg nimmt, leidet das Netz kaum. Fazit der Forscher:

Es sind vor allem die mittelguten Bekanntschaften, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Sie sorgen für den Austausch zwischen Kleingruppen aller Art, die sonst isoliert wären.

Und Nicholas Christakis formuliert es so:

Ob jemand trinkt oder nicht, hängt weniger von seiner Zugehörigkeit zu einem sozialen Typ oder zu einer Schicht ab als vielmehr von seinen Freunden und deren Freunden. Also: nicht arme Menschen trinken, sondern vernetzte Gruppen von Menschen trinken.

Bevor jetzt vielleicht mal wieder allzu eilig missionarische Anwendungen daraus gestrickt werden: Vielleicht sollten wir aufhören, andere Nationen als oberflächlich zu bezeichnen, weil sie weniger tiefe, aber mehr oberflächliche Kontakte pflegen, und lieber von ihnen lernen: Wie Briten mit jedem Small Talk hinbekommen, wie Italiener feiern, wie Amerikaner einen nach einer Begegnung als Freund bezeichnen.

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