Eifer und Ernst

Im Gegensatz zum Thema Hölle, das viele sehr beschäftigt hat in den letzten Wochen, weil Hölle im Neuen Testament nicht als metaphysischer Ort erscheint, in dem Gott als eine Art jenseitiger KZ-Aufseher erscheint (oder diese Aufgabe an den Teufel delegiert – was jedoch auf dasselbe Gottesbild hinausliefe), stellt sich die Frage nach dem letzten Gericht viel unübersichtlicher dar. Ich schlage gerade Schneisen durch den Dschungel der Bibelstellen und theologischen Meinungen und finde hier und da eine Liane, an der ich mich ein Stück weiter schwingen kann und dabei das Terrain von oben betrachten.

Immer wieder aber begegnet mir bei anderen (und wenn ich ehrlich bin, auch bei mir selbst) die Sorge, dass ein zu nettes und harmloses Bild von Gott als Richter sich nachteilig auf den moralischen Ernst („Wofür strenge ich mich eigentlich an?“) und den missionarischen Eifer („Warum soll ich denen was erzählen?“) auswirken könnte.

Nun kann man sich Gott gewiss zu nett und harmlos vorstellen, als passiven Softie, der zu allem gütig nickt. Und hätte damit seine Liebe missverstanden, die Rich Mullins so schön als reckless raging fury bezeichnet. Und irgendwo da liegt auch die Antwort auf die Frage nach dem Eifer und dem Ernst: Gott erwartet, dass ich das Gute aus Liebe tue, und nicht, um dem Gericht zu entkommen. Und dass ich anderen das Evangelium nicht vorenthalte aus Liebe zu ihm und zu ihnen. Und nicht, weil sie sonst in der Hölle schmoren (nachdem sie bis dahin noch ein paar Dinge getan haben, für die mir aus Angst vor Gott und seinem Gericht der Mut und die Dreistigkeit gefehlt haben?).

Könnte die Liebe als Motivation also nicht vielleicht doch ausreichen?

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