London II: Emergent und Dali

Ich habe Jason Clark in einem Café in Sutton getroffen. Wir hatten ein sehr angeregtes Gespräch und eine Menge an Gemeinsamkeiten entdeckt. Jason koordiniert emergent uk und legt dabei großen Wert darauf, dass tatsächlich missionarische oder besser “missionale” Gemeinde gebaut wird und dass die Dinge gründlich theologisch verarbeitet werden statt nur soziologischen Trends hinterher zu hecheln. Trotzdem bekommt er eine Menge Kritik zum Thema “emerging church” zu hören

Gleichzeitig hat er eine gesunde Abneigung gegen ein Denken in Machtblöcken, oder vielleicht sollte ich besser sagen: Imperialismus und Kolonialismus (daher benutzt er auch einen Mac 😉 – wenn nur Steve Jobs wüsste, was die emerging church für seine Firma bedeutet). Mit den richtigen “strategischen” Partnern ließe sich aus dem Artikel “emergent” sicher ein dickes, “schnellst wachsendes” Ding stricken. Aber davon gibt es schon mehr als genug und es produziert so viele Abhängigkeiten und Zwänge.

Danach war ich in der Tate Britain und habe mir die Werke von Turner angesehen, später dann ein Stück flussabwärts Dali betrachtet (und einen flüchtigen Blick auf ein paar Skizzen von Picasso geworfen). Turner und Dali waren nicht nur in ihrer Kunst der Zeit voraus. Bei Dali etwa hat der Abschied vom modernen Weltbild schon statt gefunden. Er hat dort eine Skulptur, in der Newton mit hohlem Kopf und ohne Gesicht dargestellt wird. Turner hat die Welt buchstäblich in einem anderen Licht gesehen als seine Kollegen. Beide haben damit Proteste ausgelöst, aber eben auch eine Menge bewegt.

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Vereinfacher

Nach dem Pioneer Leaders Symposium mit vielen guten Begegnungen und etliche interessanten Gesprächen und Seminaren – z.B. übers Predigen mit Jeff Lucas, der trotz aller Polemik immer noch daran glaubt 😉 – habe ich vor allem noch ein wenig über den Beitrag von Gary Clarke von Hillsong in London nachgedacht. Er hatte ein sympathisches Auftreten, wirkt sehr normal und authentisch und steckt voller Energie und Tatendrang.

Totzdem: Mich hat weniger der Pfingstler, sondern eher der Megachurch-Pragmatiker etwas gestört. Garys Held und Mentor ist Ray McCauley aus Johannesburg, dessen Gemeinde 35.000 (oder waren es 40?) Leute hat. Nichts gegen große Gemeinden, aber hin und wieder habe ich das Gefühl, dass manche der Verantwortlichen zwar in der Bibel lesen, aber nicht mehr viel Anspruchsvolles darüber hinaus – zumindest nichts Theologisches.

Jetzt sagen natürlich gleich wieder ein paar Helden: Ha – je mehr Theologie, desto kleiner die Gemeinde. Aber solche plumpen Gegensätze bringen niemanden weiter. Sie stimmen auch nicht unbedingt. Vielleicht segnet Gott (wenn Zahlen allein dafür überhaupt ein Kriterium sein sollten) Gary ja trotz und nicht wegen seiner Theologie.

Eines aber kann man auf jeden Fall von ihm lernen: Er will weiter und bleibt nicht stehen. Er ist bereit, dafür vollen Einsatz zu bringen und er findet es normal, dass eine Gemeinde wächst. In dieser Hinsicht ist es vielleicht wirklich einfacher, als mancher denkt…

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