Schweigen im Walde

Zurück aus Berlin habe ich mir heute verdutzt das TFT-Display gerieben. Keine Blogposts zum Emergent Forum! Wo doch in früheren Jahren tagesaktuelle und seitenlange Linksammlungen erstellt wurden. da fragt man sich unwillkürlich: Was ist denn da los?

Antwort: Erstens ist bei vielen das Bloggen schon seit einer ganzen Weile in den Hintergrund getreten.

Zweitens scheint das persönliche Gespräch wichtiger gewesen zu sein, für mich war das jedenfalls so. Vielleicht postet der eine oder andere dazu auch ein Bild auf Facebook. Dass wieder 100 Leute da waren und etliche Neue darunter, ist auch schön. Die Neuen sind aber offenbar viel weniger Blogger als manche Gründungsmitglieder es waren und z.T. auch noch sind. Vielleicht ist nach dem Bloggen ja jetzt die Umsetzung das, was alle Zeit und Energie verschlingt

Drittens ist inhaltlich auch kein gravierend neuer Akzent dazu gekommen. Das Thema bewegte sich erkennbar entlang der Linien früherer Jahre. Es waren wohl gute Gedanken und Formulierungen dazu zu hören, aber kein „Aufreger“. Muss ja auch nicht sein.

Wenn also bisher keiner was gesagt hat, dann sag ich halt noch ein bisschen mehr: Das Thema war recht weit gespannt, so dass vieles Platz hatte. Die Organisation und Moderation war gut, das Programm war abwechslungsreich und nicht so überladen, dass der Raum gefehlt hätte um viele „alte“ Bekannte zu treffen und sich auszutauschen – und auch wieder ein paar neue Leute kennenzulernen. Statt Dinge in die Welt hinaus zu bloggen lieber vertraute und vertrauliche Konversation kann ja auch bedeuten, dass die Beziehungen tiefer geworden sind.

Die Podcasts werden in näher Zukunft hier erscheinen, bis dahin stehen dort auch noch viele andere spannende Beiträge.

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11 Replies to “Schweigen im Walde”

  1. Hallo Peter,
    Das mit dem Bloggen ist sicher richtig und es liegt wohl eher an der zeitlichen Auslastung der Leute, weniger daran, dass niemand etwas erwähnenswertes erlebt hat. Ich denke man darf nicht unterschätzen, wie wenig die Ideen, die für die alten Hasen schon selbstverständlich sind, überhaupt zirkuliert sind. Wir hatten zum Beispiel das ganze missionale Thema, das Tobi gut zusammengefasst hat, kaum „von vorne“ kommuniziert. Von daher glaube ich, dass wir auch gut daran getan haben, dass, was bei uns so „zirkulierte“ jetzt auch nochmal in eigene Worte zu fassen. Achja btw: wie lief eigentlich dein Workshop?
    Grüße
    Arne

  2. Hi Peter!
    Interessant, daß Du das hier postest. Ich als jemand, der leider nicht dabei sein konnte, habe mich i.d.T. schon gefragt, wo all die Post bleiben, um zumindest über den Weg des Blogs ein paar Impressionen mitzukriegen. Na, vielleicht bekomm ich dann über die Podcasts inhaltlich noch etwas mehr mit. Aber gute Beziehungen sind ja mindestens genauso wichtig oder auch Gedanken zum Umsetzen von Dingen. Was hilft die beste Theorie, wenn sie keiner anwendet?

    Was mich zukünftig mal interessieren würde – das EF bietet dafür sicherlich als zentrales deutschlandweites Treffen einen guten Raum dafür: Wie steht es eigentlich mit den konfessionellen Unterschieden innerhalb der deutschen Emerging-Bewegung? Mein Eindruck ist, daß bislang eher Leute aus Landeskirchen, EFGs, FEGs u.ä. dabei sind, während v.a. die Pfingstler noch relativ außen vor sind (so ist zumindest mein Eindruck vom EF10, Marburger Studientagen und anderen Konferenzen). Hat sich da zufällig schon mal jemand Gedanken zu gemacht? Gibt es vielleicht spezielle Herausforderungen? Die Kontexte – Stichwort “Kultur“ – mögen trotz großer Nähe zueinander doch noch spezieller sein. Könnte man mal bei Gelegenheit drüber diskutieren.

    Viele Grüße,
    Philipp

  3. @Phil Nicht, dass ich mich zur ‚Emerging Bewegung‘ zählen würde, aber zumindest auf dem Forum ist die Konfession/Denomination für mich ohne Belang. Ich habe keine Ahnung, in welche Kirche die meisten der Leute gehen, die ich aus dem Emerging-Umfeld kenne und ich empfinde das eigentlich auch als ziemlich unwichtig. Vielleicht geht’s auch nur mir so, aber ich halte das alles für einen guten Ansatz, diese Grenzen endlich zu verwischen.

    Vielleicht noch ein Satz zum Workshop von Peter: Ich fand den, ähh, merkwürdig. Das Definieren von einer zu missionierenden Gruppe, die keinen Bezug zum eigenen Leben hat und darauf aufbauend das theortische Überlegen, was diese Gruppe den vielleicht interessant finden könnte, hatte mit einem missionalen Ansatz so rein gar nichts zu tun. Im Prinzip unterschied sich das nicht vom Ansatz klassischer Missionsarbeit ‚in Übersee‘. Oder habe ich da was falsch verstanden? Ein Problem lag vielleicht auch in der Tatsache begründet, dass wir Peters anfänglich Warnung nicht beherzigt und von vornherein Form und Inhalt getrennt haben.

  4. Ja, grundsätzlich ist mir das Verwischen der starren Grenzen auch lieb. Heutzutage funktioniert das ja sowieso nicht mehr so im Sinne von “Ich bin Lutheraner“ oder “Ich bin Pfingslter“, und das ist auch genau richtig. Wir wollen ja gerade nicht alten Lehrmeinungen hinterherlaufen, sondern schauen, was für unsere Zeit die richtige Theologie ist, in welchem Gewand sie erscheinen muß, usw.

    Woran ich mehr gedacht habe, ist folgendes: Jeder von uns, der aus einer Kirche kommt, ist durch diese Kirche und vermutlich auch durch die Tradition, in der diese Kirche steht, zumindest ein Stückweit geprägt – eben Kontext (egal ob kulturell oder theologisch in diesem Fall). Unterbewußt schwingt das sicherlich auch bei den Diskussionen mit, auch wenn wir das in jenen Augenblicken nicht merken.

    Mein Punkt ist nun zweierlei: Zum einen geht jeder von uns nach solch einem Forum, einer Konferenz oder was auch immer zurück in diese Kirche, um dort Ideen umzusetzen. Aber nicht überall funktioniert alles gleich gut und paßt dort hin, weil die Kirchen eben unterschiedlich sind.

    Der andere Punkt – und das ist der, auf den ich hinauswollte – ist: Warum gibt es bestimmte Konfessionen – vertreten durch die Individuen -, die sich mehr am emergenten Gespräch beteiligen als andere? Gibt es dafür Gründe, die mal reflektiert werden sollten? Ich geb Dir mal ein Beispiel: Wenn wir Theologie der Einfachheit halber mal als Reflexion der Offenbarung des dreieinigen Gottes definieren, dann ist mein Eindruck, daß wir in der Emergent-Szene sehr viel über Christus sprechen (jüdischer Messias Nachfolge, etc.), Gott den Vater (Schöpfung, Neuschöpfung, Missio Dei, etc.), aber doch relativ wenig über den Heiligen Geist, das Kernstück der Pfingstbewegung.

    Es kann sein, daß wir alle durch Willow, Christian Schwartz und ähnliche Programme mitllerweile aufgeklärt, was Geistesgaben angeht, usw. Aber ich habe beispielsweise noch nie einen Artikel über “Geistesgaben und missionales Leben“ gelesen oder Workshop/Seminar gesehen. Wir erleben gerade, wie Nicht-Christen in unsere Kirche kommen und die dortige Luft schnuppern, weil wir sie als Musiker in unserer Band mitspielen – sie dienen uns und wir ihnen, den Rest überlassen wir dem Heiligen Geist. Wirklich cool…

    Wenn mein Eindruck stimmt, wundert es mich nicht so sehr, wenn sich Pfingstler nicht so sehr von der Emergent-Szene angezogen fühlen, weil ihrem Eindruck nach “nicht genügend Heiliger Geist drin ist“.

    Eine Gefahr kann dann sein (und sowas habe ich schon erlebt), daß wir, die wir missional leben wollen, auf der einen Seite vom Pferd fallen und uns nur noch um machbare Dinge kümmern, also wie wir uns anpassen, usw. Ein notwendiger Gegenpol, der mir persönlich noch etwas fehlt, ist der Impuls aus der Pfingskirche, die den nicht durch uns machbaren Bereich des Übernatürlichen in den Fokus nimmt.

    Das ist einfach mal ein Beispiel. Sicherlich gibt es noch weitere, die ich selbst aus meiner Perspektive nicht sehe.

  5. @Phil: Das stimmt sicher, „Geist“ in der Definition der meisten Pfingstler und Charismatiker erscheint da tatsächlich weniger. „Geist“ in dem Sinne, wie es z.B. Welker in „Gottes Geist“ beschreibt, schon eher.

    @Trupedo_Glastic: Die Schwierigkeit in dem Workshop beruhte auch auf einem Missverständnis im Vorfeld. Ich dachte, wir reden über Postmoderne und nicht über das (am Forum hoffnungslos unterrepräsentierte) hedonistische Milieu. Mit letzterem bin ich übrigens bestens bekannt, ein Prachtexemplar wohnt bei uns im Haus und gelegentlich tauchen auch seine Freunde hier auf.

  6. Habe Welker nicht gelesen, aber wenn Du es in dem Sinne einer Perichorese meinst oder in Richtung einer Durchdringung des Geistes aller Dinge (klingt beinahe mystisch-kabbalistisch:-), dann versteh ich Dich. Aber nee, meinte es tatsächlich im Sinne der Pfingstler und habe dabei v.a. an die gelebte Praxis gedacht, weniger die systematische Reflexion.

  7. Nein, bei Welker geht es nicht um Perichorese oder eine Form von Panentheismus. Eher darum, wie der Geist Menschen und Gemeinschaften aus Gefährdungen rettet und zu einem weltoffenen Zusammenwirken in Liebe führt. Das ist ja alles nichts Unpraktisches, aber er setzt doch ganz andere Akzente als der charismatisch-pfingstliche Supranaturalismus, in dem die Schilderungen von Praxis und Geisterfahrung in der Regel daherkommen. Ein dicker Schuss Luhmann steckt bei Welker auch drin, wenn immer wieder von Umgebungen die Rede ist.
    Ich kann mir vorstellen, dass Du das Buch mit großem Gewinn lesen wirst!

  8. Zack, schon auf meiner Amazon-Liste gelandet das Buch.

    Nee, hatte bei Kabbala jetzt nicht pantheistisch gedacht, sondern eher im Sinne der Schechina Gottes, die nach wie vor von Seiner Schöpfung unterschieden ist. Perichorese hatte ich inntertrinitarisch gedacht. Aber egal, darum ging’s ja auch nicht. Danke jedenfalls für den Buch-Tip!

  9. Also ich habe schon den Eindruck, dass durchaus Leute aus pfingstlich-charismatischen Background im emergenten Lager rumlaufen. Zumindestens mehr als Katholiken und vermutlich auch mehr als EKD’ler. Würde ich zumindest zu behaupten wagen. Ich erinnere mich an einen Workshop von Haso zum Thema „Post-Charismatiker-Sein“ der sehr voll war und um die Frage ob nicht die Zungenrede eine sehr „postmoderne Geistesgabe“ ist. Ich denke also dass zumindest viele Leute rumlaufen, die zu irgendeinen Zeitpunkt in Kontakt mit der charismatischen Bewegung hatten, ob dieser Kontakt dabei jeweils immer als sehr geist-reich erlebt wurde, lasse ich dahingestellt.

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