Gut gesagt

Für gestern abend habe ich meine Notizen und Unterlagen zu Kapstadt durchgesehen und dabei auch ein paar Dinge zu Edinburgh 2010 gelesen. Die Abschlusserklärung fand ich gut, sie war kurz, prägnant, ohne das etwas unständliche Pathos, das hier und da im Capetown Commitment erscheint. Kompliment!

Ich nehme mir mal die Freiheit, den „Edinburgh Common Call“ hier in der Deutschen Fassung reinzukopieren. Es ist leider nicht immer gut übersetzt (was bitteschön ist „Gastfreundlichkeit“?). Und wer noch einen guten, nachdenklichen Kommentar zu Kapstadt lesen möchte, der findet ihn hier.

GEMEINSAMER AUFRUF

Wir sind zur Hundertjahrfeier der Weltmissionskonferenz von Edinburgh 1910 zusammengekommen und bekennen unseren Glauben, dass die Kirche als Zeichen und Symbol des Reiches Gottes berufen ist, heute Zeugnis von Christus abzulegen, indem sie an Gottes Mission der Liebe durch die verwandelnde Kraft des Heiligen Geistes teilhat.

1. Im Vertrauen auf den dreieinigen Gott und im erneuten Bewusstsein der Dringlichkeit sind wir aufgerufen, die frohe Botschaft vom Heil, von der Vergebung der Sünde, vom Leben in seiner ganzen Fülle und von der Befreiung der Armen und Unterdrückten zu verkörpern und zu verkündigen. Wir sind zu solchem Zeugnis und solcher Evangelisation aufgefordert, die uns zu lebendigen Zeichen der Liebe und Gerechtigkeit werden lassen, die dem Willen Gottes für die ganze Welt entsprechen.

2. Im Gedenken an Christi Opfertod am Kreuz und seiner Auferstehung für das Heil der Welt und in der Kraft des Heiligen Geistes sind wir zu aufrichtigem Dialog, respektvollem Engagement und demütigen Zeugnis von der Einzigartigkeit Christi unter Menschen anderen – und keinen – Glaubens aufgerufen. Unser Handeln ist von kühnem Vertrauen auf die Botschaft des Evangeliums geprägt; es baut Freundschaft auf, strebt nach Versöhnung und übt Gastfreundlichkeit.

3. In der Gewissheit des Heiligen Geistes, der über die Erde bläst, wie er will, der die Schöpfung wieder verbindet und unverfälschtes Leben bringt, sind wir aufgerufen, Gemeinschaften der Mitmenschlichkeit und Heilung zu werden, in denen junge Menschen aktiv an der Mission teilhaben und Frauen und Männer gleichberechtigt Macht und Verantwortung miteinander teilen, in denen ein neuer Eifer für Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz spürbar ist und eine erneuerte Liturgie gefeiert wird, die die Schönheit des Schöpfers und seiner Schöpfung widerspiegelt.

4. Beunruhigt über Unausgewogenheit und Ungleichgewicht von Macht, die uns in der Kirche wie in der Welt spalten und Sorge bereiten, sind wir zur Buße aufgerufen, zum kritischen Nachdenken über Machtsysteme und zu einem verantwortlichen Umgang mit Machtstrukturen. Wir sind aufgerufen, konkrete Wege zu finden, um als Glieder des einen Leibes in vollem Bewusstsein dessen zu leben, dass Gott die Hochmütigen abweist, dass Christus die Armen und Niedergeschlagenen annimmt und bevollmächtigt und dass sich die Kraft des Heiligen Geistes in unserer Verletzlichkeit manifestiert.

5. Im Bekenntnis zur Bedeutung der biblischen Grundlagen für unser missionarisches Engagement und unter Wertschätzung des Zeugnisses der Apostel und Märtyrer sind wir aufgerufen, uns der Ausdrucksformen des Evangeliums in vielen Ländern auf der ganzen Welt zu erfreuen. Wir feiern die Erneuerung, die wir durch Migrationsbewegungen und durch Missionstätigkeit in alle Richtungen erfahren, die Weise, wie alle durch die Gaben des Heiligen Geistes für die Mission ausgerüstet werden, und Gottes fortwährenden Aufruf an Kinder und junge Menschen, das Evangelium zu fördern.

6. In Anerkennung der Notwendigkeit, eine neue Generation von Führungskräften zu prägen, die in einer Welt der Vielfalt im 21. Jahrhundert glaubwürdige Missionsarbeit leisten, sind wir aufgerufen, in neuen Formen der theologischen Ausbildung zusammenzuarbeiten. Weil wir alle nach dem Bild Gottes erschaffen sind, werden sich diese neuen Formen auf die einmaligen Charismen stützen, die jedem und jeder von uns eigen sind, uns einander auffordern lassen, im Glauben und Verständnis zu wachsen, Ressourcen weltweit gerecht miteinander zu teilen, den ganzen Menschen und die ganze Familie Gottes einzubinden und die Weisheit unserer Ältesten zu respektieren und gleichzeitig die Beteiligung von Kindern zu fördern.

7. Im Vernehmen des Aufrufs Jesu, alle Völker zu Jüngern und Jüngerinnen zu machen – arme, reiche, marginalisierte, unbeachtete, mächtige, behinderte, junge und alte Menschen -, sind wir als Glaubensgemeinschaften zur Mission von überall nach überall aufgerufen. Freudig vernehmen wir den Ruf , einer vom anderen zu empfangen, während wir in Wort und Tat Zeugnis ablegen – auf den Straßen, den Feldern, in Büros, zu Hause und in Schulen – und Versöhnung anbieten, Liebe zeigen, Gnade verkündigen und die Wahrheit aussprechen.

8. Im Gedenken an Christus, den Gastgeber beim Festmahl, und der Einheit verpflichtet, für die er gelebt und gebetet hat, sind wir zur fortwährenden Zusammenarbeit aufgerufen, dazu, uns kontroverser Themen anzunehmen, und auf eine gemeinsame Vision hinzuarbeiten. Wir sind aufgefordert, einander in unserer Verschiedenheit anzunehmen, unsere Mitgliedschaft durch die Taufe in dem einen Leib Christi zu bekennen und anzuerkennen, dass wir der Gegenseitigkeit, Partnerschaft, Zusammenarbeit und Vernetzung in der Mission bedürfen, damit die Welt glaube,

9. Im Gedenken an Jesu Weg des Zeugnisses und Dienstes glauben wir, dass Gott uns aufruft, in Christi Nachfolge diesen Weg zu gehen – freudig, inspiriert, gesalbt, ausgesandt und ermächtigt durch den Heiligen Geist, gespeist von den christlichen Disziplinen in unseren Gemeinschaften. In Erwartung der Ankunft Christi in Herrlichkeit und zum Gericht, erfahren wir seine Gegenwart im Heiligen Geist und wir laden alle ein, sich uns anzuschließen, wenn wir an Gottes verwandelnder und versöhnender Mission der Liebe für die ganze Schöpfung teilhaben.

Edinburgh, 6. Juni 2010

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Eine Antwort auf „Gut gesagt“

  1. Ja, ich finde den „Common Call“ auch echt gut!

    Schon Punkt 1: „We are called to incarnate and proclaim the good news of salvation, of forgiveness of sin, of life in abundance, and of liberation for all poor and oppressed.“ Interessant, was hier aufgezählt wird. Und die Zusammenstellung von (zuerst!) „verkörpern“ und „verkündigen“ (HIER ist doch die deutsche Übersetzung einfach wunderschön! 🙂 ). Da kommt erst gar keine Prioritätendiskussion auf. Sollte man zumindest meinen.

    Und auch bei fast allen weiteren Punkten haben mich Formulierungen direkt angesprochen.

    Fairerweise muss man aber doch im Vergleich zum Cape Town Commitment sagen, dass der erste Teil des Commitments sich ja eher als theologisches Grundlagendokument versteht, oder?! Und der zweite Teil mit dem „Call to action“, der den tatsächlichen Konferenzverlauf aufnehmen soll, steht ja noch aus. (Äh – oder hab ich da was verpasst?? Sollte der nicht eigentlich schon veröffentlicht sein?)
    Hier bleibt ja noch zu hoffen, dass etwas ähnlich Griffiges herauskommt. Im Inhalt und in der Formulierung.

    Übrigens wird ja die Kapstadt-Auswertung im Januar gemeinsam mit der Auswertung von Edinburgh 2010 sein. Ich war im August in Hamburg bei der Tagung „Von Edinburgh nach Kapstadt“ dabei und habe bei einigen Edinburgh-Teilnehmenden die Sorge herausgehört, die Ergebnisse aus Schottland könnten neben den Kapstadt-Ergebnissen unter den Tisch fallen. Allein schon, weil in Kapstadt viel mehr Deutsche waren.
    Bin gespannt, wie das im Januar wird.

    Letzten Endes wird es ja wohl darum gehen, welche Impulse am meisten lohnen, weitergedacht, unters Volk gebracht, umgesetzt zu werden. Da sollte es dann wohl egal sein, ob mit schottischem oder südafrikanischem Akzent. 😉

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