Wer möchte „missioniert“ werden?

Ich arbeite gerade an einem Artikel zum Thema „Warum ich nicht missioniere“. Es gab eine ganze Reihe von Anstößen dazu. Etliche Gespräche mit Freunden, aber auch die Lektüre von Brian McLarens Buch „More Ready Than You Realize“ und Teilen von „The Church On The Other Side“.

Die Begrifflichkeit (ein Verb, das aus einem Substantiv gebildet wurde) verrät schon das ganze Dilemma. „Evangelisieren“ ist sprachlich mindestens genau so schlimm. Warum fällt es uns so schwer, natürlich darüber zu sprechen, wie wir mit anderen Menschen über die gute Nachricht ins Gespräch kommen? Jesus konnte das (um gleich die steilste und prägnanteste Schriftstelle anzuführen) in Matthäus 28 noch ganz einfach: Geht – macht zu Jüngern – tauft – lehrt.

Die Künstlichkeit der Begriffe verrät die Künstlichkeit der Bemühungen. Wundert es da noch, wenn „Evangelisieren“ zur Pflichtübung wird und viele Christen trotz aller Seminare und Trainingsmaterialien einen gewissen Widerwillen hegen?

Mein nächstes Projekt wird es sein, eine Reihe von Nicht-Christen zu befragen, ob sie gerne missioniert werden möchten. Ich bin gespannt, welche überraschenden Antworten da kommen. Demnächst mehr zu diesem Thema, und wenn jemand Anregungen hat, her damit…

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Denkmalschutz: Das konservative Dilemma

Ich komme eben von einer Versammlung konservativer Christen – viele nette Leute, fast alle deutlich älter als ich. Der Referent hat mir allerdings das Gefühl gegeben, ich bin im falschen Film. Wieder mal habe ich mich gefragt, ob Christsein und Konservativismus vereinbar ist. Ich glaube es nicht mehr.

Konservative wollen bewahren oder bestenfalls erneuern (nach alten Plänen – wie der Denkmalschutz). Ihr Blick ist rückwärts gewandt. Und auch wenn es natürlich stimmt, dass nicht alles Frühere schlecht war und über Bord geworfen werden darf, so ist das Reich Gottes keine vergangene, sondern allenfalls eine gegenwärtige, aber immer auch eine zukünftige, also noch offene Angelegenheit.

Wann immer wir das vergessen, werden wir konservativ. Dann friert man den Status Quo ein, indem man ihn verklärt. Oder – schlimmer – man klagt andere (die „Liberalen“ oder Modernisierer) als Verräter an. So habe ich es heute gehört. Wer ungewohnte Wege einschlägt, wird der Fahnenflucht verdächtigt. Die „gerechte“ Entrüstung sorgt für eine gewisse Schärfe in der Auseinandersetzung, die die Fronten zusätzlich verhärtet.

Konservativismus macht auch blind, weil er die Perspektive verengt. In den USA haben „konservative“ Christen George Bush an der Macht gehalten, weil er in die zwei Reizthemen Abtreibung und Homosexualität besetzt hat. Und – natürlich nicht zu vergleichen, sondern unendlich viel schlimmer! – weil Hitler sich als Konservativer gebärdete, sind 1933 viele „Fromme“ auf ihn hereingefallen und haben viel zu spät gemerkt, was sie angerichtet hatten.

Natürlich gibt es viele Dinge, die man nicht einfach über Bord werfen kann. Aber unser Heil liegt nicht im Blick zurück. Am Ende der Industriegesellschaft, der Aufklärungskultur, des Nachkriegs-Wohlstands und des christlichen Abendlands überwiegt die Diskontinuität. Wer das nicht begreift, läuft Gefahr, zur musealen subkulturellen Blase zu degenerieren. Auch so kann man wohl etliche Generationen überdauern.

Jesus – haben wir das vergessen? – wurde als Revolutionär hingerichtet. Zwar hat man das bewusst missverstanden, indem man ihn als „gewaltbereit“ einstufte. Aber er war gefährlich! Und seinen Nachfolgern legte man zur Last, sie würden den Erdkreis in Aufruhr versetzen, die Welt auf den Kopf stellen.

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