Schlämmer Fänger

Es hat sich inzwischen herumgesprochen: Das Schlämmerblog war ein getarnter PR-Streich von Volkswagen. Nicht dass er deshalb weniger komisch wäre, und doch…

Auf die Automarken hatte ich ehrlich gesagt gar nicht geachtet. Hape Kerkeling wird sich jetzt vielleicht auch fragen lassen müssen, für wen er “Ich bin dann mal weg” geschrieben hat: das spanische Tourismusbüro? Erzbischöfliche Pilgerseelsorge? Und wir anderen werden argwöhnisch auf mögliche Sponsoren hin abgeklopft.

Ein paar von uns könnten von Apple Geld bekommen (dumm, dass die das nicht nötig haben). Also lieber Lavazza? Gralshüter aller möglichen Orthodoxien werden den jeweiligen Erzfeind als Mäzen im Hintergrund vermuten: Katholiken, Liberale, Megachurches, Wiedertäufer, Grüne, George Bush, Pietisten – was die kirchliche Klamottenkiste so an Watschenmännern bereit hält. (Überhaupt: Warum heißt es Watschenmänner und Prügelknaben?)

Und wo wir schon dabei sind: Jan Ullrich hätte jetzt auch Zeit zum Bloggen. Wer den wohl sponsern würde?

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Fehlanzeige

Nicht, dass es jemanden wirklich überraschen würde, was BMW zum Klimaschutz zu sagen hat…

Bmw Klimaschutz

Was allerdings nachdenklich stimmt: Das Ministerium von Herrn Glos wird BMWi abgekürzt!

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Offener Brief an die Bundesregierung

Liebe Frau Merkel, lieber Herr Steinbrück,

an dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen einmal ausdrücklich bedanken für die geniale Idee, die Mehrwertsteuer um drei Punkte zu erhöhen. Seither schlagen sich die Möbelhäuser und Elektro-Großmärkte ja förmlich darum, mir nicht nur die drei Prozent, sondern die gesamte Steuer zu schenken. Das Leben wird also spürbar günstiger!

Und die Wirtschaft brummt, der Konsum springt an. Denn endlich kann ich all den Kram, den ich eigentlich nicht brauche, saubillig kaufen. Viele politische Kommentatoren, deren Kritik sie in den letzten Monaten ertragen mussten, haben diese clevere, paradoxe Logik gar nicht kapiert. Dabei müssten sie nur auf die Werbung hören, die uns täglich ins Haus flattert oder über den Äther geht.

Sorgen macht mir in diesem Zusammenhang allerdings das Familiengeld. Ich finde, Kinder zu haben, müsste deutlich teurer werden, um interessant zu sein; ein Premium-Artikel, ein Statussymbol, keine Discounter-Massenware. Was meinen Sie, was das für einen Boom auslösen könnte…! Als Folge der Verteuerung würden die Kindergärten auf Gebühren verzichten, Schulen könnten Kopfprämien für Neuzugänge ausloben, der Handel würde sich mit Gratisaktionen um jeden neuen Konsumenten mühen.

Denken Sie also nochmal drüber nach,

Ihr

Peter Aschoff

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Gekaufte Gebete

Thomas hat sich über die Meldung der Tagesschau gewundert, dass man per Kreditkarte eine Nonne für sich beten lassen kann. Täglich, wohlgemerkt.

Aber eigentlich ist das gar nichts Neues: Die Fürsten im Mittelalter haben auch Klöster gestiftet, damit dort für sie gebetet wird. Unter anderem jedenfalls. Und eine Weile lang habe ich Post von einem Rabbi Goldberg bekommen, der immer ein Spendenaufruf beilag – mit der Möglichkeit, ein Gebetsanliegen auf ein Zettelchen zu schreiben, das der Meister dann für mich an der Klagemauer deponiert.

Andererseits: Bestimmte Dinge kann man eben nicht delegieren. Was wäre los, wenn ich jemanden dafür bezahlen würde, damit er sich regelmäßig mit meiner Frau unterhält und sich darum kümmert, dass sie glücklich ist (und mir meine Wünsche erfüllt)? Gerade wenn es “funktioniert” wäre das verhängnisvoll für unsere Ehe. Oder, wie Thomas fand, unsittlich.

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Erlebnisgottesdienste?

Perry Noble hat einen anstößigen Post bei Out of Ur geschrieben, in dem er für Gottesdienst als multimediales Erlebnis plädiert und sich über die Faulheit vieler Kollegen und Gemeinden beklagt, die dann fromm als “Raum für den Geist” verbrämt wird. Ein Schlüsselsatz darin ist der:

One of the things I have realized from reading Scripture is that Jesus was far from boring. He created experiences for His followers—experiences that they never forgot, and the church should be doing the same.

Ich habe noch eine ganze Weile darüber nachgedacht. In unserer Erlebnisgesellschaft, deren größte Furcht die Langweile ist (und da schließe ich mich ein), klingt das zwiespältig: Verlockend, weil es so einfach klingt, und beunruhigend, weil die Therapie das Problem vielleicht verstärkt. Selbst aufwändig gemachte Promiseland-Kindergottesdienste haben meine Jungs schon als “langweilig” bezeichnet, weil sie nicht mit ihren Lieblingsserien im Fernsehen oder Actionspielen auf dem Computer mithalten können – und es auch gar nicht müssen, weil es dort nämlich nicht um Unterhaltung geht, und das müssen sie lernen.

Das ist kein Plädoyer für einfallslose Monotonie. Nur scheint mir, dass hier eine falsche Logik droht: Jesus ist nicht jeden Morgen aufgestanden um wie ein Theaterpädagoge zu überlegen, wie er diesen Tag zum unvergesslichen Erlebnis für seine gelangweilten Jünger machen könnte. Es ging ihm darum, dass Gottes Wille geschieht, dass Israel seine destruktiven Wege verlässt und auf den Weg des Friedens findet, statt Unrecht mit Unrecht und Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen und nach Innen alle möglichen Formen von Unterdrückung zuzulassen. Daraus ergaben sich dann erstaunliche Ereignisse.

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Hoffnungslose Optimisten

Am Samstag haben Daniel und ich auf der Straße Leute interviewt zum heutigen Gottesdienstthema Hoffnung. Beim Bearbeiten wurde immer deutlicher (manche Sätze muss man ein paar mal hören…), dass zwar alle versuchen, optimistisch zu sein, aber dass eine echte Hoffnung fehlt. Was bleibt, ist ein schulterklopfendes “wird-schon-wieder” – eben die rosa Brille von der lieben Tante Evolution, von der in Geo zu lesen war, mit der wir unsere (triste?) Welt schönen.

Nun lebe ich auch lieber unter Optimisten als unter Schwarzsehern. Optimismus ist besser als Verzweiflung, aber ist er genug? So lange es uns halbwegs gut geht, kommen wir damit vielleicht durch. Was aber, wenn die Umstände schlimm werden? Die Tragik ist doch, dass wir bei scheinbar – oder tatsächlich – übermächtigen Problemen ohne Hoffnung einfach den Kopf in den Sand stecken, um unseren Optimismus nicht zu verlieren. Und dass wir jetzt schon so leben, dass wir etwa beim Klima reale Risiken herunterspielen oder ignorieren – beziehungsweise und für unzuständig erklären. Brutal gesagt: Auf der Titanic waren auch lauter Optimisten unterwegs…

Charakteristisch ist dagegen die weitgehende Fehlanzeige beim Thema Hoffnung.

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Verspielte Zukunft?

Kofi Annan himself schreibt in der SZ darüber, welche dringliche Aufgabe der Klimawandel darstellt. Angesichts der erdrückenden Beweislast immer noch den Skeptiker zu spielen, ist längst unverantwortlich. Umgekehrt scheint auch mancher gut gemeinte Weckruf verpufft zu sein (Analogien zu “evangelistischen” Schocker-Strategien sind vermutlich zulässig):

Weltuntergangs-Szenarien, die die Menschen mit Schockmethoden zum Handeln bewegen wollen, haben letztlich oft den gegenteiligen Effekt. So war es zeitweise auch mit dem Klimawandel. Wir dürfen uns nicht nur auf die Gefahren konzentrieren, sondern müssen unser Augenmerk auch auf die Möglichkeiten richten, die mit dem Klimawandel einhergehen.

Die Emissionen steigen, so ist aus Nairobi zu hören, in letzter Zeit noch rasanter an. Wir verspielen zukünftige Lebensqualität in gigantischem Ausmaß. Aber die Nachrichten treffen mehrheitlich auf Apathie, Resignation oder gar Zynismus. Christen legt Paulus eine ganz andere Reaktion nahe:

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn. Daher, geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist. (1. Korinther 15,58-59, “Einheiz-Übersetzung” 🙂 )

Wer wirklich glaubt, dass Gott alle lebensfeindlichen Mächte überwunden hat, der kann auch in scheinbar aussichtslosen Situationen selbstlos und in vielen kleinen Schritten das Gute tun. In diesem Fall: Rücksicht auf Gottes zerbrechliche Schöpfung nehmen und einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen jetzt und in künftigen Generationen ihre Heimat und Lebensgrundlagen behalten. Und dabei zählt jede Kleinigkeit.

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