Allah (3)

Nach dem historischen Rückblick behandelt Volf methodische Fragen: Sowohl von christlicher (Al Mohler jr.) als auch muslimischer Seite (das Innenministerium in Malaysia gegen die katholische Wochenzeitung Herald 2007) wurde in Frage gestellt, ob arabisch sprechende Christen Gott als Allah anreden dürfen. Die Kopten tun das ganz selbstverständlich seit Jahrhunderten. Aber selbst zwei verschiedene Begriffe könnten sich auf denselben Gegenstand beziehen – ein Beispiel dafür sind „Morgenstern“ und „Abendstern“, denn beides bezieht sich auf den Planeten Venus.

Sollten sich die Aussagen von Muslimen aus christlicher Sicht nicht auf „unseren“ Gott beziehen, blieben noch drei Möglichkeiten: Sie reden von einem anderen Gott, sie beziehen sich auf gar keinen realen Gegenstand, oder sie handeln von einem Götzen, einer menschlichen Projektion. Letzteres behaupten Religionskritiker wie Feuerbach von Christen wie von Muslimen.

Nikolaus von Kues ging davon aus, dass alle Menschen im Grunde den einen wahren Gott verehren, der mit dem Wahren und Guten identisch ist (ähnliche Gedanken finden wir u.a. auch bei C.S. Lewis in The Last Battle). Aber der Ansatz bei einer allgemeinen Gotteserkenntnis hilft nicht weiter, weil er eher Postulate aufstellt als konkrete Glaubensansichten betrachtet und vergleicht. Christen und Muslime haben auch keine gemeinsamen heiligen Schriften (wie Christen und Juden), aber es gibt zumindest einige Übereinstimmungen zwischen den Aussagen der Bibel und des Koran. Dennoch glauben die meisten Muslime nicht, dass die Schriften der Christen dem Koran in irgendeiner Form gleichwertig oder ähnlich sind.

Es bleibt also der Weg über den inhaltlichen Vergleich der Beschreibungen Gottes. Wir brauchen keine völlige Übereinstimmung, um von einem gemeinsamen Gott reden zu können, Diskrepanzen sind möglich. Es gibt sie im Übrigen auch unter Christen verschiedenener Richtungen und Konfessionen. Die Gegenposition vertritt der Australiers Mark Durie, der den Sachverhalt mit Falschgeld vergleicht. Schon die kleinste Abweichung ist für Durie der Beweis für die Unechtheit der Blüte. Jesus dagegen, sagt Volf, kann im Johannesevangelium davon sprechen, dass seine jüdischen Gegner auch dann noch von demselben Gott sprachen wie er, als sie sich weigerten, ihn als wahren Propheten (geschweige denn als Verkörperung Gottes) anzuerkennen. Volf folgert: Wer immer nur die Unterschiede hervorkehrt ist wie jemand, der sich über die Fehler des anderen freut. Genau das tut die Liebe aber laut 1.Kor 13,6 nicht.

Im fünften Kapitel betrachtet Volf die gemeinsamen Elemente der Gotteslehre. Er setzt ein bei der Erklärung Nostra Aetate (1965), in der sich Paul VI. auf einen Brief von Papst Gregor VII an den König von Mauretanien bezieht. Dann stellt er fest:

There are Muslims and Christians who disagree so radically about God‘s character that they, in fact, do worship two different Gods. But then it would be easy to find Christians who disagree among themselves so radically that we may be tempted to conclude that they too worship different Gods. The same is true of Muslims and Jews, I suspect. (S. 96)

Volf erklärt, dass er sich auf dem Mainstream beider Religionen beziehen wird: Menschen, die ihren Glauben ernst nehmen, zugleich aber wissen, dass selbst große Lehrer in vielen Dingen recht unterschiedlicher Meinung waren. Bei diesen Gruppen lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen:

  • Es gibt nur einen Gott
  • Dieser Gott ist der Schöpfer der Welt
  • Gott ist radikal anders als alles, was er geschaffen hat und alles, was nicht Gott ist

Damit sind Pantheismus wie Polytheismus schon ausgeschlossen. Neben diesen eher formalen Punkten ist aber auch die Beschreibung des Wesens Gottes wichtig. Bei menschlichen Charakteren kann man durchaus geteilter Meinung sein – Volf nennt Milosevic, der von den Serben als Retter gefeiert wurde und von den Muslimen als Schlächter von Belgrad bezeichnet wurde. Im Blick auf Gott lässt sich das jedoch nicht durchhalten. Der monotheistische Gottesbegriff impliziert praktisch schon, dass Gott gut ist und kein überdimensionales sadistisches Monster. Wenn man Gottes Güte in Frage stellt, steht sein Gottsein in Frage. Vergleicht man den Willen Gottes, so lassen sich tatsächlich Gemeinsamkeiten ausmachen, die dem Doppelgebot der Liebe entsprechen. In beiden Glaubensgemeinschaften wird jedoch auch heftig debattiert, was das konkret bedeutet.

Dann wendet sich Volf dem Thema Anbetung zu. Christlich verstanden heißt das nicht nur „Gottesdienst“ im Sinne einer Gemeindeveranstaltung, sondern die (1.) Grundhaltung der Liebe zu (2.) Gott und zum Nächsten, die (3.) das ganze Leben umfasst. Menschen beten dann vermutlich zu demselben Gott, wenn das, was sie über ihn sagen, vergleichbar ist. Liebe zu Gott und zum Nächsten sind für Christen wie für Muslime gültige Forderungen, auch wenn sie jeweils unterschiedlichen Stellenwert haben und die Christen zumindest noch das Thema der Feindesliebe damit verbinden. Weitgehende Übereinstimmungen finden sich auch im Bereich der zehn Gebote. Natürlich gibt es auch hier Differenzen, sie liegen zum Beispiel in den geforderten Sanktionen, etwa bei Diebstahl oder Ehebruch. Aber deutliche Unterschiede im Strafmaß entdecken wir auch, wenn wir das Alte Testament aufschlagen.

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21 Antworten auf „Allah (3)“

  1. Zwei Argumente sprechen gegen den Namen „Allah“

    1. Der Gott des Alten Testaments, der Vater von unserem Herrn Jesus Christus, unterscheidet sich wesensmäßig deutlich von Allah

    2. Der Gott des Alten Testaments hat sich mit einem Namen vorgestellt. Dieser Name ist Jahweh und nicht Allah. Das Argument, das diese beiden Namen ja eigentlich keine Namen sind, sondern Eigenschaften beschreiben, greift übrigens nicht. Im AT wurden Namen in der Regel nie wilkürlich oder nach Geschmack gegeben, wie es in der heutigen westlichen Welt üblich ist. Namen hatten fast immer mit einer Eigenschaft der Person zu tun.

    Sein Name ist Jahweh und nur er allein ist Gott!

  2. @Dirk: Überzeugt mich jetzt überhaupt nicht. Paulus kann (wie die Septuaginta) das Griechische theos verwenden, ohne dass das als Problem empfunden wurde. Ganz nebenbei sprach kein Jude den Gottesnamen aus. Nach Deiner Logik hätte er das nicht gedurft. Wenn aber theos geht, dann geht auch „Allah“.

  3. O.k., vielleicht war meine Argumentation zu oberflächlich, tut mir herzlich leid. Dann mal etwas ausführlicher:

    Jahweh wird in der Septuaginta nicht mit „theos“ übersetzt, sondern mit „ho kyrios“, um die Einzigartigkeit des Gottesnamens hervorzuheben. Auch im NT werden beide griechische Begriffe benutzt. Der allgemeine Gottesbegriff „theos“ entspricht dem hebräischen „elohim“, der spezielle Begriff „ho kyrios“ entspricht dem hebräischen „JHWH“. „ho kyrios“ hat sich in Jesus Christus offenbart. Allah ist, wie theos, ebenfalls eine allgemeine Gottesbezeichnung. Sie wurde schon vor Mohammed von arabischen Polytheisten benutzt, für ihren Hauptgott. Der Name Jahweh ist einzigartig, im AT und im NT, und er wurde auch von den Erzvätern Abraham, Issak und Jakob ausgesprochen. Durch eine gesetzliche Überbetonung der Gebote des AT wurde dieser wunderbare Name dann viel später erst verdrängt. Die Folge ist Religionsvermischung, bis in die heutige Zeit. Siehe auch Wikipedia im Anhang.

    aus Wikipedia:

    Verhältnis von Elohim zu JHWH

    Um den Gott Israels unverwechselbar von anderen Göttern abzugrenzen, die ebenfalls mit dem Allgemeinbegriff El/Elohim bezeichnet werden konnten, benannten frühe Stämmetraditionen der Israeliten ihren Gott mit dem Eigennamen des jeweiligen Erzvaters ihrer Sippe, etwa als El Abrahams, Isaaks und Jakobs. Diese Sippengötter wurden zunächst wohl miteinander identifiziert, als die Sippen zu einem Volk zusammenwuchsen.

    Der Name JHWH wird nach Ex 3,14 EU erst im Zusammenhang der Berufung des Mose zur Befreiung seines Volkes aus Ägypten offenbart und gedeutet. Er wird also dem Gott Gesamtisraels und seiner Selbstoffenbarung vorbehalten. Die in der Bibel einmalige Aussage „Ich bin der ich bin!“ wird als Zurückweisung verstanden: JHWH lässt sich im Gegensatz zu anderen Namen und Titeln Gottes nicht zum Objekt machen und als magische Formel beschwören. Dieser Name kann nur von seinem Träger selbst erklärt werden; er bindet diesen besonderen Gott an die besondere Geschichte Israels, unterscheidet ihn von anderen Göttern und wird daher auch nie einfach mit „Elohim“ austauschbar.

    Das Neue Testament hat „Elohim“ mit dem griechischen „ho theos“ (der Gott), „JHWH“ aber wie die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel (Septuaginta) konsequent mit „ho kyrios“ (der Herr) übersetzt und mit dem Namen „Jesus Christus“ in enge unauflösbare Beziehung gebracht (z. B. in 1_Petr 1,3 EU):

    * Gelobt sei Gott [theos], der Vater unseres Herrn [kyrios] Jesus Christus …

  4. @Dirk: Es wird trotzdem nicht besser. Im Alten wie im Neuen Testament wird theos ja trotzdem völlig unproblematisch verwendet, trotz möglicher anderer religiös-philosophischer Konnotationen, und dabei ist es seither im Christentum auch ganz zu Recht geblieben. Im Gegenteil, das NT bringt auch noch so schillernde Begriffe wie „logos“ ins Spiel. Angst vor allgemeinen Gottesbezeichungen in anderen Sprachen ist keine zu erkennen. Wo allerdings die Information herkommt, die Erzväter hätten Gott mit Jahwe angeredet, das erschließt sich mir historisch nun nicht.

  5. „Wo allerdings die Information herkommt, die Erzväter hätten Gott mit Jahwe angeredet, das erschließt sich mir historisch nun nicht.“

    Die Information kommt aus der Bibel.

    Ich verstehe Deine Argumentation im Übrigen nicht. Du reitest auf diesem einen Begriff „theos“ rum. Es geht hier aber nicht um einzelne Worte. Aus dem gesamten Kontext der Bibel geht doch deutlich hervor, dass mit „theos“ eben „Jahweh“ gemeint ist. Unter „allah“ verstehen Muslime aber ganz sicher nicht „Jahweh“. Es kommt nicht auf die Hülle an, sondern auf den Inhalt. Ich glaube, dass uns durch die Kirchengeschichte das Verständnis für unser jüdisches „Erbe“ verloren gegangen ist. Wir (Christen und Muslime) beten nicht zum selben „Inhalt“.

  6. Das Nichtverstehen beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Ich referiere hier, durch aus zustimmend, die Position von Volf. Und schreibe ausdrücklich, dass Christen und Muslime sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede in ihrem Reden von Gott entdecken. Für mich sind die Ähnlichkeiten interessanter, Du betonst wie Mohler, Piper etc. strikt exklusivistisch die Unterschiede. Ich halte das für zu simpel und zu einseitig und sehe darin auch keinen Beitrag zu einem konstruktiven Miteinander.

    Nebenbei: Wenn man wie Du oben den Islam historisch-kritisch verstehen will, dann muss man das in der Bibel auch tun, und damit werden solche Aussagen, wie die über Jahwe und die Erzväter eben auch problematisch.

  7. Mir scheint, die Frage, ob Christen und Muslime denselben Gott meinen, ist weniger eine theologische als eine philogisch-philosophische Frage.
    Wie wir sie beantworten, hängt nicht so sehr davon ab, was wir unter „Gott“ verstehen, sondern was wir unter „derselbe“ bzw. „Selbigkeit“ / „Identität“ verstehen. Eine spannende Frage, aber m.E. von außen herangetragen.

    Interessanter scheint mir die Frage, wie wir Zugang zu diesem Gott haben. Wenn ich sage, Allah wurde in Jesus Mensch und ist am Kreuz gestorben, dann provoziert das die meisten Christen und Muslime gleichermaßen – und lässt sie so das radikal Neue der christlichen Botschaft wieder spüren, das Paulus in den Korintherbriefen beschreibt. Also warum das nicht mal so sagen?

    Auch wenn Allah = JHWH, ist noch nichts für den Dialog gewonnen, solange wir unterschiedlicher Meinung dazu sind, ob Jesus der Weg zu ihm ist.

  8. Der Kern des christlichen Glaubens ist die Annahme, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist und die Sünden der Menschheit am Kreuz auf Golgatha gesühnt hat. Er ist „ins Fleisch gekommen“. Nur wenn man dieses Herzstück unseres Glaubens entfernt, kann man ernsthaft darüber nachdenken, ob wir an einen Gott glauben. Für Muslime ist Jesus aber lediglich ein Mensch, wenn auch ein guter und auch ein Prophet. Es gibt kein gemeinsames Fundament, da helfen auch Ähnlichkeiten nichts. Ähnlichkeiten gibt es mit jeder Religion, auch Buddhisten beten, auch Atheisten tun gute Werke, auch Satanisten fasten. Glauben wir alle an einen Gott? Natürlich nicht. Die Ähnlichkeiten zu betrachten bringt gar nichts, es geht um den inneren Kern der Religionen, die Herzstücke. Ich glaube, wir müssen wieder die Einzigartigkeit Jesu Christi betonen, das Kreuz muss wieder ein Anstoss werden. Ich verstehe den Islam übrigens nicht historisch-kritisch sondern fundamentalistisch. Der Koran meint, was er sagt und das ist erschreckend. Für gläubige Muslime stellt sich gar nicht die Frage, ob man den Koran historisch-kritisch betrachten muss. Für mich stellt sich die Frage bezüglich des Evangeliums ebenfalls nicht. Wenn wir uns auf die Bibel nicht verlassen könnten, dann hätten wir keinen objektiven Maßstab mehr und jeder könnte glauben, was er wollte, oder er müsste sich auf Menschen verlassen, die als „Fachleute“ entscheiden, welcher biblische Text nun authentisch ist, und welcher nicht. Der menschliche Verstand erhebt sich über Gottes Wort, was nicht sein darf (z.B. Jungfrauengeburt), darf nicht sein. Ich möchte nicht von der historisch-kritischen Arroganz abhängig sein.

  9. @Dirk: Soll ich jetzt dagegen halten, dass ich nicht von sturem Bibelfundamentalismus abhängig sein will? Man kann kritisch denken, ohne arrogant zu sein. Dein Urteil der Arroganz setzt ja quasi voraus, dass schon der Hinweis auf die Interpretationsbedürftigkeit biblischer Texte eine Art Gotteslästerung ist.

    Juden und Christen glauben auch an denselben Gott, mit ziemlich denselben Differenzen (Christologie und Trinität) wie Christen und Muslime. Oder siehst Du das auch anders?

  10. Ich bin sehr dafür, interpretationsbedürftige Texte auszulegen. Ich bin aber nicht dafür, klare und deutliche Texte zu allegorisieren. Wenn alles Übernatürliche geleugnet wird, was bei der historisch-kritischen Methode durch die Entmythologisierung sehr gefördert wird, um es mal vorsichtig zu formulieren, dann wird Gott in den Kasten der so genannten Wissenschaft gesperrt und Offenbarung, Zeichen und Wunder sind dann nicht mehr möglich. Dazu mal was von Klaus Berger:

    Ohne sie völlig abzulehnen, sieht der Neutestamentler Klaus Berger in der historisch-kritischen Methode, wie sie heute praktiziert wird, einige unhaltbare Grenzüberschreitungen:[3]
    -nicht überzeugende Kriterien für Echtheit und Unechtheit von Jesusworten
    -die Erklärung, dass das Johannes-Evangelium historisch wertlos sei, hält er für bodenlos
    -die Leugnung der Wunder sieht er als modernes weltanschauliches Diktat
    -den „Ostergraben“ (Jesus sei ein einfacher Mensch gewesen und erst nach Ostern als Messias gesehen worden) hält er für ein plattes Postulat

    Natürlich gibt es auch mit den Juden bezüglich der Christologie Differenzen, aber aus völlig anderen Gründen, die in der „Decke“ begründet liegen. Trotzdem glauben Juden an den Gott des AT, an Jahweh.

  11. Oh ha, das war nicht korrekt zitiert, eher geguttenbergt. Klaus Bergers Worte habe ich Wikipedia entnommen 🙂

  12. Ich schließe mich Andreas Meinung an: Ob die Aussage „Allah = JHWH“ richtig ist, entscheidet sich darin, was ich damit ausdrücken will. Z.B.: Toyota == BMW == Auto =/ Ducati aber Toyota =/ BMW == Hersteller.

    Praktisch: Es ist ein Unterschied, ob ich den Muslimen sagen kann: Ihr habt mit Allah den Einen Gott gefunden, aber euch fehlt noch ein entscheidendes Stück, nämlich Jesus als Messias (und dann eventuell das Gottesbild neu auszurichten) oder ob ich erst das komplette muslimische Gottesbild niederreißen muss um dann ganz von Null wieder anzufangen.

  13. @Dirk: Ich staune weiter über deine simplen Gleichsetzungen. Historische Kritik muss doch nicht bedeuten, „Offenbarung, Zeichen und Wunder“ zu leugnen. Im Übrigen gehst Du genauso mit einer vorgefassten Theorie an die Bibel heran, die sich aus ihr selbst gar nicht eindeutig ableiten lässt, sondern eben ein rationales (!!) Konstrukt der altprotestantischen Orthodoxie ist. Das ist ja eben kein naiver Glaube, der schlicht dem Wort vertraut, sondern ein Thesengebäude mit Absolutheitsanspruch (zumindest in der Chicago-Variante), der letztlich nicht bloß den eigenen Glauben stärkt, sondern auch ausgrenzende Urteile gegen abweichende Meinungen ermöglicht, also ein machtpolitisches Instrument darstellt.
    Natürlich kann man das mit „die Wissenschaft hat festgestellt“ auch machen. Da besteht also erst mal kein qualitativer Unterschied. Und auf fremde Ideologien sind Bibeltreue wie Bibelkritische in der Vergangenheit gleichermaßen hereingefallen.
    Aber vielleicht würde es sich lohnen, Berger mal ganz zu lesen. Von einer unkritischen Bibelauslegung ist der ja doch meilenweit entfernt.

  14. Ethymologisch ist das Al-lah des Arabischen eng mit dem el-ohim des Hebräischen verwandt. Die arabischen Christen des Nahen Ostens verwenden alle den Begriff Allah. Die Anbetungszeiten die ich in meiner Zeit in Jordanien in arabischen Gemeinden erlebt habe, waren vollen wunderbarer Hymnen an „Allah.“ Die Frage ist weniger eine Sprachliche, als eine des Gottesbildes, was man sich unter dem Namen vorstellt. Da gibt es natürlich die Unterschiede und Ähnlichkeiten, wie Peter richtig anmerkt. Der entscheidende Aspekt ist doch der, was man mit der Rede von den Unterschieden gewinnen will – die dogmatische Diskussion (uns theologische Selbstvergewisserung, nach dem Motto: Ich wusste es ja schon immer), oder ob man Brücken zu Menschen, besonders zu Muslimen schlagen will, um das Wesen Gottes, die Liebe, zu offenbaren?

  15. @Gabriel: So ist es. Ich war neulich bei einem interreligiösen Segen zur Einweihung eines Stadtteilzentrums. Der muslimische Vorbeter (so lautete der Titel, glaube ich) sprach seinen Segen auf Deutsch, aber er sagte mehrmals: „Lieber Allah“. Das klang schon sehr nach dem „lieben Gott“, ich fand das erst einmal gut und hätte auch jeden Satz seines Gebetes mitsprechen können. Natürlich denken wir an vielen Stellen dann auch wieder ganz unterschiedlich, und neben einer evangelischen Pfarrerin und einer Vertreterin der jüdischen Gemeinde zu stehen hat ihn vermutlich auch einiges gekostet. Heute habe ich mich nun gefragt: Bekommen Muslime eigentlich Ärger, wenn sie im Deutschen statt „Allah“ „Gott“ sagen?

  16. Der „liebe Gott“ hat seinen kostbaren Sohn Jesus Christus für unsere Sünden am Kreuz sterben lassen. Nur durch ihn sind wir errettet. Das Kreuz ist das Zentrum unseres Glaubens. Der eine wahre Gott hat sich in Jesus Christus offenbart. Ob sich das Gebet des muslimischen Vorbeters gut anhört oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle, da er zu einem ganz anderen Inhalt betet. Der ganze interreligiöse Spuk ist völlig sinnlos, Gott segnet keinen Synkretismus. Die evangelische Pfarrerin sollte lieber das Evangelium verkündigen, denn nur dadurch werden Menschen gerettet und befreit.

  17. @Dirk: Schon gut, jetzt ist’s dann mal wieder genug. Jeder hier hat verstanden, was Du sagen wolltest, man muss das nicht ad infinitum wiederholen.

  18. Wenn ein muslimischer Vorbeter „Lieber Allah“ sagt und arabischen Christen verboten wird, Jesus als Ben-illah zu verehren oder zu Allah zu beten, dann lässt sich daraus schließen, dass zumindest diese Muslime unter Allah weniger eine allgemeine Gottesbezeichnung sehen als einen Namen. Namen dienen in der Regel der Unterscheidung von anderen (existenten oder vorgestellten) Personen. Insofern wäre es diesen Muslimen gegenüber intolerant zu sagen, dass wir doch eigentlich denselben Gott verehren. Für sie wäre es einfacher zu akzeptieren, wenn wir – @toex – sagen würden, für eine Konversion müsste jeweils das ganze Gottesbild niedergerissen werden.
    Es könnte natürlich je nach Kontext hilfreich sein, genau diese Intoleranz zu wagen und zu sagen, dass sie sich mit dieser Unterscheidung im Irrtum befinden und unser Jesus in Wahrheit der Sohn ihres Allah ist. Der friedlichere Weg für ein Miteinander der Religionen wäre es in dem Fall, zwei verschiedene Götter zu behaupten.

  19. Als Nichtfachmann von theologischen Themen habe ich einige Fragen. Möglicherweise waren die Antworten in den Texten und in der Diskussion schon und ich habe dies nicht verstanden. Falls dies so ist, bitte auf die Stellen hinweisen. Sonst, falls jemand Antworten hat, bitte nicht mit theologischen Fachbegriffen antworten.

    Die 1. Frage: Gibt es in der arabischen Sprache ein Wort, das ähnlich wie „Gott“ im Deutschen oder „Dieu“ im Französischen ist? Weil das islamische Glaubensbekenntnis in der deutschen Übersetzung sagt: es gibt keinen Gott außer Allah, aber dies sagt nicht: es gibt keinen Gott außer Gott. Warum nicht?
    Die 2. Frage: Christen lehren, dass die Bibel inspiriert ist von Gott. Glaubt der Autor von „Allah“, Herr Miroslav Volf, dass der Koran wie die Bible vom selben Gott inspiriert ist? (Siehe Allah I)
    3. und letzte Frage and den Verfasser dieses Blogs: Was bedeutet Inspiration der Bibel ihrem persönlichen Glauben nach.

  20. @Charlie:
    1. Korrekt übersetzt muss das Bekenntnis m.E. heißen: „Es gibt keinen Gott außer Gott“
    2. Dazu äußert sich Volf nicht
    3. Einfach auf diesem Blog mal „Inspiration“ ins Suchfeld eingeben

  21. Antwort an Charly:

    Es gibt im Arabischen ilah uns allah. „Es gibt keinen Gott( (ilah) außer Gott (allah)“

    ilah entspricht hebräisch ‚eloah (Kurzform ‚el, „Plural“form ‚elohijm)- Allah ist eigentlich al-ilah, al ist der Artikel und drückt aus, dass es um den einzigen (bzw. für Polytheisten: den höchsten) Gott geht. Polytheisten kannten auch Allat, die weibliche Form von Allah (als Götze im Koran erwähnt).

    Allah zu vermeiden, indem ständig ilah benutzt wird, würde den Eindruck erwecken, dass der Sprecher an mehrere Götter glaubt. Insofern kommt mensch im Arabischen nicht im das Wort allah herum.

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