„Evangelikal sein“ (5): Und jetzt?

Auch wenn die Theologie sehr betont wurde, scheint mir das Manifesto ein ausgesprochen kirchenpolitisches Dokument zu sein. Theologisch tief gebohrt wird nirgends, die Konsensformeln sind etwas hausbacken und dehnbar. Immer wieder ist der Versuch mit Händen zu greifen, im Wahljahr einen Mittelweg zwischen den Extremen zur Rechten und Linken offen zu halten.

Die Abgrenzungen gegenüber dem Liberalismus fallen deutlicher aus als nach „Rechts“, und auch das wirkt auf mich so, als wolle man die innerevangelikale Einheit durch diesen Akzent bestärken. Immerhin hat es aus den Reihen der Hardliner auch schon Kommentare gegeben, die zeigen, dass die Botschaft angekommen ist.

Ob die Botschaft in der Öffentlichkeit ankommt, dass Evangelikale und religiöse Rechte nicht identisch sind, scheint mir indes zweifelhaft. Dazu ist der Text zu lang und manche Distanzierungen sind zu verklausuliert. Ich vermute, es wird über kurz oder lang eine Spaltung des „alten“ Evangelikalismus stattfinden in eine fundamentalistischen und einen weltoffenen Flügel. Einige der Sollbruchstellen sind hier schon vorgezeichnet.

Hier noch ein paar Links zum Thema:

An Evangelical Manifesto?

Take 2: An Evangelical Manifesto

Take 3: An Evangelical Manifesto and a Covert Colonialism

Come On, You Call This a Manifesto?

‚An Evangelical Manifesto‘ criticizes politics of faith – CNN.com

Evangelicals Lament a Politicized Faith

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„Evangelikal sein“ (4): Gesellschaft und Politik

Abschließend fragen die Verfasser des Manifesto nach dem Platz der Evangelikalen in Gesellschaft, Öffentlichkeit und Politik. Wieder nehmen sie eine doppelte Abgrenzung vor: Glaube darf weder privatisiert noch politisiert werden. Klar erkennbar fällt die Abgrenzung gegenüber dem letztgenannten Abweg, sich einer bestimmten politischen Agenda zu verschreiben, umfangreicher aus.

Evangelicals see it our duty to engage with politics, but our equal duty never to be completely equated with any party, partisan ideology, economic system, or nationality.

Das hat Folgen für das Verhältnis zu Staat: Der Staat soll Religionsfreiheit gewähren und Toleranz fördern, zu der sich auch die Unterzeichner klar und deutlich bekennen: Sie achten andere Standpunkte und akzeptieren den gesellschaftlichen Pluralismus. Den Kulturkampf zwischen den unterschiedlichen Fundamentalismen, die den Staat entweder unter das Diktat der Bibel oder des Atheismus stellen wollen, lehnt das Manifest ab.

Das Dokument endet mit Appellen in alle möglichen Richtungen: an die eigene Bewegung, an die Öffentlichkeit, an andere Christen, andere Religionen u.v.m.

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