Irische Impressionen (3): Bücher und Bildung

Ein bleibender Eindruck der Reise war der Besuch im Trinity College in Dublin, wo das Book of Kells ausgestellt ist. Man muss sich das mal klarmachen: Der größte Kunstschatz dieses Landes ist eine Bibelhandschrift. Keine Kronjuwelen, kein Palast, keine Kathedrale, kein Louvre.

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Wenn man sich durch die engen Räume der Bibliothek schiebt und die Erklärungen liest, bevor man sich an das dicht umlagerte Buch selbst herandrängt (unter Panzerglas mit anderen Werken bei sorgsam gedimmten Licht sieht man zwei Seiten), dann entdeckt man wieder erstaunliche Kleinigkeiten. Etwa, dass die blaue Tinte aus Lapislazuli gemacht wurde und das einzige damals bekannt Vorkommen dieses Steins in Afghanistan lag. Das ist wohl so, als müssten wir uns die Materialien vom Mond holen.

Aber die Bücher waren (neben der Wanderlust und dem Pioniergeist) der entscheidende Grund, warum ein Völkchen vom äußersten Rand des Kontinents das ganze barbarische Europa umkrempelte. Was noch einmal die Frage von letzter Woche aufwirft, ob eine geistliche Erneuerung auch geistig voll auf der Höhe sein muss, wenn sie Erfolg haben will.

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Irische Impressionen (1): Jugend und Abenteuer

Gestern kam ich von einem kurzen Trip nach Irland zurück. Das Wetter dort war offenbar deutlich besser als hier. Ich bin immer noch dabei, die Eindrücke zu sortieren. Dies hier ist der Beginn, Fotos kommen auch noch.

Gegen Irland wirken wir wie ein großes Seniorenheim. 50% der Leute dort sind unter 30, sagte mir jemand. Und genau so wirkt es, wenn man sich auf der Straße bewegt und die Leute ansieht. Ganz zu schweigen von Dublins “Temple Bar” mit den vielen abgefahrenen Szenekneipen. Aber selbst in der Provinz fühlt es sich anders an.

Straßenverkehr mag ein Indiz dafür sein, dass das Leben mehr als Abenteuer verstanden wird. Selbst als geübter Linksfahrer steht man ständig vor Herausforderungen oder wird zum Selberdenken gezwungen – etwa durch frei laufende Schafe und Hunde, dehnbare Angaben auf Verkehrsschildern wie “Slow” und verschärft “Very Slow”, oder “Dangerous Bridge” und “Acute Bend”. Wer durchkommt, hat es richtig gemacht, wer nicht, ist selber schuld. Wozu Stoßdämpfer da sind, versteht man auch erst richtig nach ein paar Tagen auf den Landsträßchen dort.

Die Iren denken positiv. Der Wetterbericht nannte die zähe Bewölkung, die gelegentlich einzelne Strahlen erahnen ließ, als “hazy sunshine”. Einfach liebenswert und sehr wohltuend für teutonische Grübler. 🙂

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